Montréal (SID) - Mercedes-Pilot Nico Rosberg ist für seinen Motorsportchef Toto Wolff ein künftiger Kandidat auf den WM-Titel in der Formel 1. "Sobald man ihm das entsprechende Auto gibt, hat Nico absolut das Potenzial, um eine Weltmeisterschaft mitzufahren", sagte Wolff am Rande des Großen Preises von Kanada dem SID. In diesem Jahr sei Mercedes noch nicht so weit, die Fortschritte seien aber unverkennbar.

"Man hat in den letzten Jahren gar nicht so gut einschätzen können, wie gut er wirklich ist, das lag auch am Auto", sagte der Österreicher: "Wir haben ihm in diesem Jahr ein deutlich besseres Auto hingestellt, und gleich ist er in der Lage, ganz vorne mitzufahren. Das zeigt, was er kann."

Der 27-jährige Rosberg hatte zuletzt mit drei Pole Positionen in Folge und dem prestigeträchtigen Sieg in Monaco für Aufsehen gesorgt. "Er ist ein disziplinierter Denker, gesegnet mit großem Talent. Er kann seine Leistung fast immer abrufen, weil er alles seinem Sport unterordnet", sagte Wolff über die Qualitäten seines Piloten.

Dass Rosbergs derzeitige Erfolge angesichts der Reifen-Affäre um Mercedes und Pirelli etwas verblassen, sei unbefriedigend. "Aus welchem Grund auch immer, viele Leute suchen zur Zeit die Kontroverse", sagte Wolff: "Vielleicht, weil wir jetzt konkurrenzfähiger sind. Die Kontroverse ist das Interessantere. Für uns ist es natürlich nicht erfreulich, dass das, was in den Medien rüberkommt, weniger die Leistung des Fahrers ist."

Rosberg lasse sich davon jedoch "nicht frustrieren, dazu ist er zu professionell. Er lässt es halt über sich ergehen." Insgesamt sei der Reifenstreit "ein Management-Thema, an den Fahrern geht das vorbei", sagte Wolff.

Mercedes muss sich vor dem Internationalen Tribunal des Weltverbandes FIA verantworten, nachdem das Team an möglicherweise illegalen Reifentests mit Einheitshersteller Pirelli teilgenommen hatte. Tests während der Saison mit aktuellen Autos verbietet das FIA-Reglement. Pirelli und Mercedes berufen sich auf ein vertraglich festgehaltenes Recht des Reifenherstellers, die Teams dennoch zu 1000-km-Tests einzuladen.