Balve (dpa) - Helen Langehanenberg - wer sonst? Erstmals war die Weltcup-Siegerin zu den deutschen Meisterschaften der Dressurreiter nach Balve als haushohe Favoritin gereist - und erfüllte die Rolle voll und ganz.

Auf ihrem Ausnahmepferd Damon Hill beherrschte die 31-Jährige aus Havixbeck am Wochenende das Geschehen im Viereck und verteidigte ihre beiden Titel erfolgreich. Einen Tag nach ihrem Sieg im Grand Prix Special sicherte sich Langehanenberg am Sonntag auch die Meisterschaft in der Kür.

"Wenn man spürt, wie er mitdenkt, ist das schön", lobte die Olympia-Zweite mit der Mannschaft ihren Hengst und schwärmte von seiner "Leichtigkeit und Spielerei". Das Paar begeisterte auf dem Dressur-Platz gleich neben dem Schloss Wocklum und erhielt die Weltklasse-Note von 87,400 Prozentpunkten. Zweite wurde wie schon am Samstag Isabell Werth aus Rheinberg mit dem starken Don Johnson (83,300) vor der erst 23-jährige Fabienne Lütkemeier aus Paderborn auf D'Agostino (79,250).

Zweifel daran, dass Langehanenberg in Balve siegen würde, hatte es kaum gegeben. Zumal in Kristina Sprehe ihre schärfste Rivalin und Olympia-Teamkollegin auf einen Start beim nationalen Championat fehlt. Sie baut ihr Top-Pferd Desperados nach einer Verletzung auf und wird beim CHIO in Aachen erstmals wieder starten.

Auch ohne Sprehe bewies Langehanenberg, dass sie derzeit kaum jemanden in Deutschland fürchten muss - noch. Denn von hinten drückt die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth. Nach ihrem schwierigen Jahr 2012 meldete sich die 43-Jährige aus Rheinberg stark zurück.

Hinter Langehanenberg hatte die fünfmalige Olympiasiegerin auf Don Johnson nicht nur in der Kür, sondern auch am Freitag und Samstag im Grand Prix und im Grand Prix Special jeweils Platz zwei belegt - und jeweils mit persönlichen Bestleistungen für Don Johnson.

Werths Kür bezeichnete Chefrichterin Katrina Wüst sogar "als fast die schwerste der Welt". "Wenn er sich so weiterentwickelt, muss er sich in einem Dreivierteljahr nicht mehr davor fürchten, gegen die Sieger anzutreten", sagte Werth über ihren stark verbesserten elf Jahre alten Wallach.

Noch vor einem Jahr hatte alles ganz anders für sie in Balve ausgesehen. Erst hatte El Santo im Viereck die Gefolgschaft verweigert, dann verletzte sich Don Johnson mitten in der Meisterschaft - Olympia war passé. "Man lernt durch die Tiefpunkte die Höhepunkte schätzen und ist dann auch emotional", erklärte Werth, warum sie so gerührt auf dem Siegertreppchen stand.

Alles könnte für sie derzeit so schön sein - wenn nicht da das Verfahren bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung wegen verbotener Medikation wäre. Bei Werths Pferd El Santo war im Juni 2012 die verbotene Substanz Cimetidin nachgewiesen worden. Werth beteuert ihre Unschuld und hofft, diese durch Gutachten zu beweisen.

Auf jeden Fall ist das Verfahren laut FN-Sportchef Dennis Peiler kein Hindernis für eine EM-Teilnahme. Es gelte die Unschuldsvermutung. "Bringt sie die Leistung, hat sie die gleichen Chancen für die EM und das CHIO in Aachen wie die anderen."

Und Leistung bringt Werth. Deshalb wurde sie mit Langehanenberg, Lütkemeier und der Special-Dritten Anabel Balkenhol aus Rosendahl mit Dablino in das Team beim CHIO in Aachen Ende Juni berufen. Nach dem Turnier wird das Team für die EM im August in Herning nominiert. Langehanenberg und Werth dürfen die Reise nach Dänemark schon einmal einplanen.

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