Düsseldorf (dpa) - Es wird allmählich ernst für die deutsche Frauenfußball-Elite, aber mit der erwarteten Spannung vor der Nominierung des EM-Kaders ist es nicht mehr weit her.

Fast täglich wird das Team, das bei der in drei Wochen beginnenden Europameisterschaft in Schweden den Titel erfolgreich verteidigen will, um eine weitere Spielerin dezimiert. Am Montag erwischte es auch Babett Peter, die erfahrene Linksverteidigerin und Weltmeisterin von 2007 - kurz vor dem zweiten EM-Testspiel gegen Kanada am Mittwochin Paderborn.

In Verena Faißt (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Viola Odebrecht (Knorpel- und Meniskusschaden im Knie) hatten schon vor dem Start der EM-Vorbereitung zwei Akteurinnen absagen müssen. Seit dem ersten Treffen der DFB-Elf in Kaiserau wuchs die Ausfallliste um vier weitere Leistungsträgerinnen. Eine vergleichbare Verletzungsmisere vor einem großen Turnier gab es bei den deutschen Frauen noch nie.

Sturmhoffnung Alexandra Popp überstand den Fitness-Eingangstest am 2. Juni erst gar nicht, weil ihr Fuß nach einem nicht ausgeheilten Bänderriss im Sprunggelenk Ruhe brauchte. Zwei Tage vor ihrem Heimspiel in Essen gegen Schottland (15. Juni) sah Linda Bresonik ein, dass ihre immer wieder entzündete Achillessehne keine EM-Vorbereitung und schon gar nicht ein ganzes EM-Turnier durchhalten würde. Nur 48 Stunden später ereilte es Kim Kulig. Durch die erhöhte Belastung im Training verschlimmerten sich bei der Frankfurter Mittelfeldspielerin die Schmerzen im mehrfach operierten Knie, in dem 2011 beim WM-Viertefinal-Aus gegen Japan das Kreuzband gerissen war.

Und nun platzte auch der EM-Traum von Babett Peter. Auch hier ist keine frische Verletzung die Ursache. "Anhand der MRT-Bilder kann man erkennen, dass es sich um eine ältere Verletzung handelt, da der Knochen bereits Heilungsreaktionen aufweist. Durch die Mehrbelastung haben sich die Beschwerden verstärkt", erläuterte Teamarzt Ulrich Schmieden die Blessur von Peter, die nach der niederschmetternden Diagnose "geschockt" und "riesig enttäuscht" war.

Bundestrainerin Silvia Neid, die seit Wochen fast täglich mit schlechten Botschaften konfrontiert wird, blieb bislang erstaunlich gelassen. Zweimal nominierte die 48-Jährige schon Spielerinnen für den vorläufigen EM-Kader nach, gleichwohl sind von den 28 nur noch 25 Akteurinnen übrig - darunter vier Torhüterinnen. Am Tag nach der Partie gegen die Kanadierinnen wird Neid ihre 23 EM-Auserwählten (inklusive drei Torfrauen) bekanntgeben.

Für Neid, die sich mitunter schwertut, Spielerinnen ihre Nicht-Nominierung mitzuteilen, ist die Verletztenmisere eine "zweifelhafte Hilfe". Am Mittwochabend muss sie im Teamhotel in Bad Lippspringe nur noch an zwei Türen klopfen, um enttäuschende Nachrichten zu überbringen. Dann erwischt es eine der beiden Ersatztorhüterinnen - Kathrin Längert (Bayern München) oder Laura Benkarth (SC Freiburg). Und vermutlich eine der beiden Mittelfeld-Youngster Sara Däbritz (18) oder Isabelle Linden (22).