Mailand (dpa) - Im spektakulären "Ruby"-Prozess gegen Silvio Berlusconi um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch wird heute das Urteil erwartet.

Sollte der 76-jährige ehemalige italienische Regierungschef verurteilt werden, wäre dies der zweite Schuldspruch gegen ihn innerhalb kurzer Zeit. Berlusconi war erst im Mai wegen Steuerbetrugs in einem Verfahren um seinen Medienkonzern Mediaset in zweiter Instanz verurteilt worden.

In dem Mailänder Prozess um angebliche wilde "Bunga-Bunga"-Nächte in Berlusconis Villa Arcore bei Mailand hat die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft verlangt. Berlusconi solle auch keine öffentlichen Ämter mehr ausüben dürfen. Die Anklage hält "systematische Prostitution" bei den Partys für erwiesen, die von Berlusconi und manche seiner Zeugen als harmlos beschrieben wurden.

Einen Freispruch auf der ganzen Linie fordert sein Verteidiger Niccolò Ghedini: Beide Anklagepunkte seien gegenstandslos, das Gericht sei Berlusconi gegenüber befangen.

Das "Ruby"-Urteil erfolgt in erster Instanz und ist nach italienischem Recht damit, sofern es angefochten wird, nicht rechtskräftig. Definitiv ist eine Verurteilung in dritter Instanz.

Die junge Marokkanerin "Ruby" steht im Zentrum der angeblichen "Bunga-Bunga"-Feste. Sie hatte sich in einem Nebenprozess nicht mehr so gut an alles erinnern können. Sie konnte nicht sagen, ob sie im März 2010 - damals noch minderjährig - allein oder mit anderen jungen Frauen in Berlusconis Villa übernachtet hatte. Jedenfalls will sie keinen Sex mit ihm gehabt und von ihm auch keine Millionen erhalten haben. "Ruby" alias Karima El Mahroug gab an, früher geprahlt und "Dummheiten" gesagt zu haben. Auch Berlusconi bestritt den Sex.

Berlusconi, damals Regierungschef, hatte ausgesagt, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak gehalten. Er habe ihr nachts aus Schwierigkeiten mit der Polizei helfen wollen, um so diplomatische Verwicklungen mit Kairo zu vermeiden. In diesem direkten Eingreifen des Ministerpräsidenten sieht die Anklage einen Amtsmissbrauch durch Silvio Berlusconi.