Zagreb (dpa) - Die EU bekommt Zuwachs: Von diesem Montag an ist Kroatien das 28. Mitglied der Europäischen Union. Europäische Politiker gratulierten dem kleinen Land an der Adria, mahnten aber gleichzeitig weitere Reformen an.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sprach von einem historischen Tag. "Es ist gut, wenn eine Familie wächst, vor allem unsere Familie der Werte, die Demokratie, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet ist." Allerdings werde die EU-Mitgliedschaft allein nicht die wirtschaftlichen Probleme Kroatiens und anderer Krisenländer lösen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die nicht zu den Feiern nach Zagreb reiste, sieht noch viel Reformbedarf. "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen", sagte Merkel in einem Podcast.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erwartet von Kroatien zusätzliche Reformanstrengungen. "Der Beitritt zur Europäischen Union ist kein Schlusspunkt, sondern Ansporn für weitere Reformschritte", sagte Westerwelle der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montag). Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler twitterte: "Europa wächst zusammen. Willkommen #Kroatien in der #EU. Aber: Herausforderungen wie Korruption angehen."

Die Spitzen der EU-Kommission, des Europaparlaments sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer hatten sich zu den Feiern am Sonntagabend angesagt. Für die Bürger war auf dem Ban-Jelacic-Platz im Zentrum der Hauptstadt Zagreb die zentrale Feier mit Musik und Feuerwerk geplant. Um Mitternacht sollten an vielen Orten Europafahnen gehisst werden. Die Protestbewegung "Occupy Croatia" kündigte ein Demonstration an, die etwa zeitgleich mit den Feiern in Zagreb beginnen sollte. Die Gruppe nennt Kroatiens Beitritt einen "wirtschaftlichen Völkermord".

Kroatien ist nach Slowenien das zweite EU-Mitgliedsland aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die frühere jugoslawische Republik, die seit 1991 selbstständig ist, bringt große Probleme mit. Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen, die Industrie liegt am Boden, die Sozialsysteme drohen zusammenzubrechen und die öffentliche Verwaltung muss modernisiert werden.

Außenministerin Vesna Pusic versicherte den Steuerzahlern der EU, dass der Beitritt ihres wirtschaftlich angeschlagenen Landes keine Gefahr sei. Kroatien erwarte 2014 moderates, und 2015 sogar ein starkes Wachstum seiner Wirtschaft, so Pusic vor Beginn der Beitrittsfeiern in Zagreb. Kroatien sei auf den EU-Beitritt besser vorbereitet als manch andere Mitglieder es waren, sagte auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Milanka Opacic. Die Mitgliedschaft schaffe Möglichkeiten für Kroatien, doch schwerwiegende Probleme wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit und das niedrige Lohnniveau müsse das Land selbst lösen: "Das ist unser Problem, die EU wird es nicht für uns lösen", sagte Opacic.

In einer Festsitzung des Parlaments am Samstag hatte Regierungschef Zoran Milanovic betont: "Unser Erfolg liegt jetzt einzig in unseren Händen." Staatspräsident Ivo Josipovic sprach von einem Wendepunkt in der Entwicklung des Landes.

Auswärtiges Amt zum neuen EU-Mitglied Kroatien