Nürburgring (SID) - Formel-1-Mogul Bernie Ecclestone sieht einem möglichen Strafverfahren wegen der Schmiergeld-Affäre angespannter entgegen als zuletzt beteuert. "Das ist immer in meinem Kopf und beschäftigt mich ebenso wie meine Anwälte", sagte der 82-Jährige im Vorfeld des Großen Preises von Deutschland (Sonntag, 14 Uhr/RTL und Sky) der Tageszeitung die Welt: "Wir müssen abwarten, wie die Sache ausgeht." Noch Ende Juni hatte Ecclestone erneut seine Unschuld beteuert und sich in Bezug auf das brisante Thema gelassen gegeben.

Die Staatsanwaltschaft München soll gegen Ecclestone wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung in besonders schwerem Fall Anklage erhoben haben. Ob gegen den Herrscher der Formel 1 tatsächlich ein offizielles Verfahren eingeleitet wird, ist allerdings weiter unklar. Das Münchner Landgericht will erst in diesem Monat darüber entscheiden.

Ungeachtet der Vorwürfe kann sich Ecclestone offenbar vorstellen, eine Hauptrolle in der Zukunft des insolventen Nürburgrings zu spielen. "Wie ich höre, will man den Nürburgring verkaufen", sagte Ecclestone: "Gut möglich, dass ich ihn kaufe. Zumindest denke ich darüber nach."

Sollte er seine Gedanken in die Tat umsetzen, "würde das bedeuten, dass der Große Preis von Deutschland in Zukunft gesichert ist. Natürlich würden wir dabei die bestehenden Verträge mit dem Hockenheimring berücksichtigen. Ich denke, das Rennen würde wie bisher zwischen beiden Standorten alternieren."

Verständnis zeigte Ecclestone für die Boykottdrohung der Fahrer beim Großen Preis von Deutschland. "Sie sagen zu Recht, dass es ihr Leben ist, das sie bei den Rennen riskieren", sagte er: "Es ist nicht das Genick der Reifenfirma, der FIA oder das von Bernie Ecclestone, das sie aufs Spiel setzen."

Allerdings ist der Brite sicher, dass das Rennen wie geplant stattfinden wird: "Wenn die Fahrer das Rennen boykottieren, droht ihnen der Entzug der Superlizenz. Ein solcher Boykott würde niemandem nützen und das Problem auch nicht schneller lösen."

Die Königsklasse werde aber gestärkt aus dem Schock über vier geplatzte Reifen beim Großen Preis von England hervorgehen. "Wenn wir die Erfahrungen, die wir machen, richtig interpretieren, lernen wir daraus und machen es in Zukunft besser. So gesehen sind die Probleme, die die Formel 1 aktuell durchlebt, vielleicht das Beste, das ihr passieren konnte", sagte Ecclestone: "Das eindringlichste Beispiel war in dieser Hinsicht sicher der Tod von Ayrton Senna. Danach begann ein unglaubliche Sicherheitsdiskussion, und die Formel 1 wurde so sicher wie nie zuvor."