Köln (SID) - Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat eine vor sechs Jahren angekündigte Anti-Doping-Kampagne mit dem ehemaligen Rad-Star Erik Zabel niemals durchgeführt. Das räumte der DOSB einen Tag nach den neuen Doping-Enthüllungen um Zabel ein. "Sie ist nie über den Ideenstatus hinausgegangen", sagte DOSB-Pressesprecher Christian Klaue auf SID-Anfrage. Dass dies so war, hat der DOSB im Laufe der Zeit nicht kommuniziert. Warum die öffentlich präsentierten Pläne nicht verwirklicht worden sind, blieb am Donnerstag offen.

Zabel und sein damaliger Teamkollege Rolf Aldag hatten sich am 3. Juni 2007 zu einem zweieinhalbstündigen Gespräch im Frankfurter Haus des Sports mit DOSB-Präsident Thomas Bach und -Generaldirektor Michael Vesper getroffen. Die DOSB-Vertreter hoben damals wörtlich in einer Veröffentlichung auf der Verbands-Website "erneut ihren Respekt vor den Geständnissen von Aldag und Zabel und vor allem vor deren Bereitschaft, daraus wirksame Folgerungen zur Unterstützung des heutigen Engagements gegen die Seuche Doping im Radsport und darüber hinaus zu ziehen" hervor.

Zabel (43) und Aldag (44) hatten im Mai 2007 Dopingmissbrauch gestanden. Zabel betonte aber, nur 1996 kurzzeitig Epo genommen zu haben. Am Mittwoch enttarnte ihn die Anti-Doping-Kommission des französischen Senats als Dopingsünder der Tour de France 1998. Aldags Name stand nicht auf der Liste.

Sämtliche Vertreter des damaligen Gesprächs in Frankfurt einigten sich auf ein mehrere Punkte umfassendes Maßnahmenpaket. Unter anderem wurde angekündigt, dass die "Radsportler bei der Präventions- und Aufklärungsarbeit des DOSB aktiv mitwirken". So würde Zabel "Eliteschulen des Sports und Olympiastützpunkte besuchen, um junge Leistungssportler über die Gefahren des Dopings zu informieren und von der Einnahme verbotener Substanzen abzuhalten".

Aldag und Zabel würden darüber hinaus künfig mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) kooperieren und sich "punktuell" auch an der Finanzierung von Anti-Doping-Projekten beteiligen. Die NADA erklärte auf SID-Anfrage, dass damals keine Zusammenarbeit mit Zabel und Aldag zustande gekommen sei. Aldag habe der NADA allerdings eine Summe gespendet.

Bach war am 5. Juni 2007 auf der Website seines Verbandes wie folgt zitiert worden: "Mit den zwischen uns verabredeten Maßnahmen machen Rolf Aldag und Erik Zabel deutlich, dass sie die Schwere ihrer Taten erkennen und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Sie zeigen tätige Reue und engagieren sich künftig aktiv im Kampf gegen Doping."