Berlin (SID) - Dopingexperte Fritz Sörgel hat kein Verständnis für die Aussage von DOSB-Präsident Thomas Bach, zu dessen aktiver Zeit sei Doping in Fechterkreisen kein Thema gewesen. "Dass Thomas Bach zur Hochzeit des Dopings in den 1970-er Jahren als Spitzensportler davon nichts mitbekommen haben soll, ist für mich nur schwer vorstellbar. Das gehörte damals ja fast schon für Laien zur Allgemeinbildung", sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Heroldsberg bei Nürnberg dem Sport-Informations-Dienst (SID).

"Ich ärgere mich einfach darüber, wenn behauptet wird, dass im Fechten Doping keine Rolle spielen kann", sagte Sörgel weiter. Die Fechter seien keine Kandidaten für Epo oder Blutdoping, aber es komme in ihrem Sport auf mental-kognitive Leistungen an, die etwa die Schnelligkeit oder die Konzentration beeinflussen können. "Und dafür findet sich im Medikamenten-Schrank nicht wenig. Und Anabolika oder Cortison zur Regeneration kann man in jeder Sportart brauchen", meinte Sörgel.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper stellte sich derweil hinter Bach. "Thomas Bach hat damals die Initiative ergriffen, die Doping-Problematik grundlegend aufzuarbeiten, und hat deshalb die Studie in Auftrag gegeben", sagte Vesper bei Sky Sport News HD: "Er war zudem einer der ersten, der lebenslange Sperren für Dopingsünder gefordert hat."

Bach hatte nach Bekanntwerden der Doping-Studie dem ZDF gesagt: "Schon als Athlet war für uns in Fechterkreisen das Thema Doping kein Thema." Später als Aktivensprecher und hochrangiger Funktionär habe er als Mitglied mehrerer Kommissionen Doping intensiv bekämpft. Am 10. September will Bach in Buenos Aires neuer Präsident des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC) werden.