Moskau (SID) - Ehrenpräsident Helmut Digel vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hat zugegeben, in früheren Jahren von einer aktiven Doping-Forschung in Deutschland gewusst zu haben. "Der Deutsche Leichtathletik-Verband mit seinen Funktionären, Trainern und Ärzten hatte in der Tat ein gravierendes Doping-Problem. Das war allerdings bekannt. Wir wussten auch von Forschungszentren, in denen so etwas wie aktive Dopingforschung stattfindet", sagte der frühere DLV-Präsident am Rande der Leichtathletik-WM in Moskau dem ARD-Radioteam.

Zuletzt waren unter anderem Berliner Wissenschaftler in ihrer Studie zu dem Ergebnis gelangt, dass es auch in Westdeutschland eine anwendungsorientierte Doping-Forschung gegeben habe. Der Staat habe die Forschungen geduldet und unterstützt, hieß es in dem Bericht zu "Doping in Deutschland seit 1950 bis heute".

Digel glaubt, dass die Leichtathletik nach den jüngsten Dopingfällen einen großen Imageschaden genommen hat. "Das Problem ist, dass man international nur noch über Doping redet. Wir haben Betrüger in unseren Reihen. Jeder Zuschauer denkt: 'Da läuft der Zweifel mit.' Und das ist für die sauberen Athleten ein großes Dilemma", sagte der 69-Jährige.