Berlin (dpa) - Nach DOSB-Ehrenpräsident Manfred von Richthofen hat jetzt auch Fußball-Spitzenfunktionär Reinhard Rauball ein Anti-Doping-Gesetz gefordert.

"Ich bin der Auffassung, dass man jetzt ein Anti-Doping-Gesetz in Angriff nehmen sollte", sagte der Ligapräsident der "Sport Bild". DFB-Präsident Wolfgang Niersbach steht einer verschärften Gesetzgebung eher kritisch entgegen. "Wenn es ein solches Anti-Doping-Gesetz gäbe, würde sich die Frage stellen: Wie schnell kommt man zu einem Urteil? Wir brauchen die Sportgerichtsbarkeit und ihre schnellen Entscheidungen, um den Wettbewerb in Gang zu halten", sagte der Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der "Sport Bild".

Vor von Richthofen und Rauball hatten sich bereits zahlreiche prominente Athleten und die beiden Verbandsbosse Clemens Prokop (Leichtathletik) und Rudolf Scharping (Radsport) für ein Anti-Doping-Gesetz stark gemacht. "Der maßgebliche Grund ist der, dass die Strafverfolgungsbehörden deutlich bessere Beweiserhebungsmöglichkeiten hätten, etwa in Form von Durchsuchungen oder Beschlagnahmungen. Dies kann die Verbandsgerichtsbarkeit nicht leisten", erklärte Rauball.

Von Richthofen hatte in dieser Thematik sogar eine Kehrtwende vollzogen. Das Arzneimittelgesetz sowie die Nationale und Welt-Anti-Dopingagentur reichten inzwischen nicht mehr zur Dopingbekämpfung aus, sagte der 79-Jährige in einem Interview des ZDF-Magazins "Frontal21". Er habe in dieser Frage seine Meinung geändert. Der Staat verfüge durch rechtsstaatliche Mittel über ganz andere Durchgriffsmöglichkeiten, sagte von Richthofen.