Salzgitter (dpa) - Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter will im Strudel der Branchenkrise mindestens 1500 Arbeitsplätze streichen. Der Konzern nannte zur Vorlage seiner Halbjahreszahlen erstmals ein konkretes Sparziel für den Stellenschlüssel und sprach von einer "Personalreduzierung oberhalb von 1500 Stellen".

Bei weiteren Details zu den harten Einsparplänen blieb der Konzern jedoch vage. Das Unternehmen verwies auf noch laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. "Für die personalbezogenen Maßnahmen ist zwischen dem Unternehmen, dem Konzernbetriebsrat und der IG Metall eine als "Zukunftsvertrag" bezeichnete Rahmenvereinbarung verhandelt worden, deren formaler Abschluss in Kürze erfolgen soll."

Mit Blick auf die Bilanz dürfte eine Stoßrichtung des Jobabbaus aber klar sein: Die verlustreiche Tochter Peiner Träger GmbH bereitet dem Konzern die größten Sorgen. Im Unternehmensbereich Stahl ist das Peiner Werk, das Stahlträger herstellt, im ersten Halbjahr für 60 Prozent der Gesamtverluste aus dem operativen Geschäft verantwortlich. In der Konzernbilanz ist bei der Peiner Tochter von einer "katastrophalen Erlössituation" die Rede, es handele sich um einen der höchsten operativen Halbjahresverluste in der Unternehmensgeschichte. Der Konzern schrieb satte 185 Millionen Euro auf das Anlagevermögen ab.

Mit dem angekündigten Stellenabbau ist der Salzgitter-Konzern, der zum Stichtag Ende Juni noch 25 272 Mitarbeiter zählte, nicht alleine. Auch Deutschlands Nummer eins im Stahl, ThyssenKrupp, rüstet sich mit dem Abbau Tausender Stellen gegen die Branchenkrise.

Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann hatte bereits zur Jahresbilanz im März kein Blatt vor den Mund genommen und gesagt: "Wir kämpfen besonders am Standort Peine ums Überleben." Nach dem Verlustjahr soll nun das Sparprogramm "Salzgitter 2015" die Wende für den Konzern bringen, an dem das Land Niedersachsen eine Sperrminorität hält.

Bereits Anfang August hatte die Salzgitter AG angesichts der großen Belastungen zum zweiten Mal binnen weniger Monate die Prognose kassiert. Vor Steuern soll das Jahr rund 400 Millionen Euro Verlust bringen. Unterm Strich notierte der MDax-Konzern aus Niedersachsen nach den ersten sechs Monaten einen Verlust von 315,2 Millionen Euro. Nach dem ersten Quartal hatte der Nachsteuerverlust noch bei rund 17 Millionen Euro gelegen. Doch allein im zweiten Jahresviertel kamen noch einmal rund 300 Millionen Euro Verlust hinzu.

Finanzberichte Salzgitter