Amsterdam (dpa) - Erleichterung und Genugtuung waren Louis van Gaal ins Gesicht geschrieben. Zwölf Jahre nach dem schmachvollen Scheitern in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea hat der ehemalige Bayern-Trainer das Oranje-Team doch noch zu einer WM geführt.

Statt voller Häme "Ohne Holland, fahren wir zur WM" wie damals in Deutschland hallte das "Wir fahren nach Rio" der niederländischen Anhänger durch das kleine Stadion in Andorra. Dass der letztlich entscheidende 2:0-Sieg beim Fußballzwerg alles andere als berauschend zustande gekommen war, interessiert van Gaal wenig. "Das ist erst der Anfang", sagte der 62-Jährige.

Die niederländischen Zeitungen bejubelten auf ihren in orange gefärbten Titelseiten zwar ebenfalls: "Das WM-Ticket ist da!" Doch am Tag nach der geglückten Qualifikation mischte sich in den Anflug von Oranje-Fieber auch Katerstimmung. Eine "miese Vorstellung", wütete "De Telegraaf" über das Spiel des Oranje-Teams.

Auch bei den Spielern wollte nach dem Pflichtsieg, zu dem Stürmerstar Robin van Persie beide Treffer beigesteuert hatte, keine Partylaune aufkommen. Statt Oranje-Jubel waren ihre Gesichter rot. Schamesröte, stellten die Kommentatoren süffisant fest.

Doch Van Gaal war so, wie ihn alle kennen: Zufrieden, vor allem mit sich selbst. Die magere Leistung seiner Mannschaft gegen Andorra und vier Tage zuvor beim glücklichen 2:2 in Estland überging er dabei großzügig. "Nach der EM musste ich die Mannschaft neu aufbauen mit jungen Spielern, das ist immer schwierig", sagte der selbstverliebte Bondscoach. "Es war nicht einfach. Die Mannschaft hatte keine gute EM hinter sich. Außerdem war fast jeder krank, schwach und fehlerhaft", sagte van Gaal. "Und dennoch haben wir uns als erstes Land aus Europa für die WM qualifiziert. Darauf können wir stolz sein."

In den von Experten nur so wimmelnden Niederlanden reichen Ergebnisse aber meist nicht aus, auch die Art des Fußballs ist von großer Bedeutung. Entsprechend zurückhaltend blicken die Fußball-Weisen auf die WM am Zuckerhut im kommenden Jahr. "Ich werde sehr zufrieden sein, wenn Oranje durch die Vorrunde kommt", mäkelte Fußball-Ikone Johan Cruyff im niederländischen Fernsehen. "Viele Spieler haben zu wenig Erfahrung auf diesem Niveau."

Und dennoch werden die Niederländer im kommenden Jahr wieder mit großen Ambitionen nach Brasilien fahren, wo sie in Rio an der Copacabana ihr Quartier aufschlagen wollen. Schon jetzt träumen die Fans von einem Sieg im Estádio do Maracanã, dem Fußballtempel von Rio. Schließlich ist es für die Generation um Arjen Robben und Robin van Persie wohl die letzte Chance auf einen großen Titel. Und so laufen die Planungen bei den Fans bereits auf Hochtouren - die ersten Campingplätze sind schon gebucht.

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