Florenz (SID) - Am Ende eines skandalösen Tages hat Pat McQuaid für die Fehler seiner Amtszeit bezahlt und den Posten als Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI verloren. Der 64 Jahre alte Ire unterlag seinem Gegenkandidaten Brian Cookson bei der Wahl am Rande der Straßenrad-Weltmeisterschaft in Florenz. Cookson, der Boss des britischen Verbandes, wurde im majestätischen Palazzo Vecchio zum zehnten UCI-Chef der Geschichte gekürt.

Die Entscheidung im historischen Salone del Cinquecento, dessen Wände von Gemälden Leonardo da Vincis und Michelangelos geschmückt sind, fiel wie erwartet knapp aus. Cookson, der den überwiegenden Teil der traditionellen Radsport-Nationen hinter sich vereint hatte, erhielt bei der geheimen Wahl lediglich sechs Stimmen mehr als sein Widersacher, der seit 2005 den Vorsitz inne gehabt hatte.

Von den 42 Wahldelegierten, zu denen auch der Deutsche Toni Kirsch (Bergheim) zählte, votierten 24 für Cookson und 18 für den bisherigen Amtsinhaber, der vor allem aus Afrika und Asien Zuspruch erhalten hatte. Der Entscheidung war zuvor grundlegender Einfluss auf die Zukunft des Radsports zugeschrieben worden. "Ich bedanke mich für das Vertrauen und wünsche Pat alles Gute, was auch immer er jetzt machen wird", sagte Cookson in einer ersten Reaktion.

Mit der Abwahl von McQuaid endete auch eine Schlammschlacht zwischen den beiden Bewerbern, die sich gegenseitig mit verschiedenen Vorwürfen zu schaden versuchten. Beide stellten die Integrität des jeweils anderen in Frage. Letztlich entschied die lange Mängelliste McQuaids über die UCI-Zukunft. Vor allem im Zuge des Falls Lance Armstrong war der Ire schwer ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte sich Cookson zugewandt. "Ich wünsche mir so etwas wie einen Neuanfang", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Von der Ernennung Cookson verspricht sich der Radsport nun eine Zeitenwende. Vertrauen in den über lange Zeit systematisch dopingverseuchten Sport will der 62-Jährige zurückgewinnen. Für dieses langfristige Ziel wird der Brite zunächst das gesamte Anti-Doping-Management der UCI in die Hände einer vollständig unabhängigen Institution legen, um jegliche Einflussnahme auszuschließen.