Dallas (dpa) - Einen besseren Ratgeber als Dirk Nowitzki könnte sich Dennis Schröder für seinen NBA-Start kaum vorstellen. Ausgestattet mit Tipps des deutschen Superstars beginnt das Basketball-Toptalent von den Atlanta Hawks im Duell mit den Dallas Mavericks sein US-Abenteuer.

"Er hat ein riesiges Potenzial, ich glaube, er wird eine lange Karriere in der Liga haben", erklärte Nowitzki vor dem Saisonauftakt am Mittwoch (Ortszeit) - und erkennt die "lustige" Parallele zu seinem eigenen NBA-Debüt.

Am 5. Februar 1999 traf der Würzburger im Alter von 20 auf Detlef Schrempf und die Seattle SuperSonics - im Rückblick "irgendwie eine ähnliche Situation" für den heute 35-Jährigen: "Ich bin am Ende meiner Karriere und er ist der neue Shootingstar."

Der Hochgelobte wurde von den Hawks als erster Deutscher seit Nowitzki in der ersten Runde der Talente-Draft ausgewählt und nimmt alle Vorschusslorbeeren gelassen hin. "Das ist ein großartiges Gefühl, wenn alle denken, dass du dich gut machen kannst in der NBA - der besten Liga der Welt", sagte Schröder. Er freut sich über den Zuspruch des berühmten Auftaktgegners: "Er hat so eine großartige Karriere hingelegt, da versuche ich mir Tipps abzuholen, wenn ich Fragen habe, und die beantwortet er auch sofort. Da versuche ich so viel mitzubekommen, wie ich nur kann."

Auf dem Weg nach Atlanta hat der Aufbauspieler eine fulminante Laufbahn hingelegt. Als 16-Jähriger versprach er seinem Vater kurz vor dessen Tod, dass er sich seinen "Traum" von der NBA erfüllen werde. 2011 gab er sein Bundesliga-Debüt für die Phantoms Braunschweig, wurde vergangene Saison als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet und löste mit seiner Leistung beim Talente-Treffen Nike Hoop Summit im April in den USA einen regelrechten Hype aus.

"Er ist weit oberhalb der normalen Lernkurve", staunte Hawks-Mitspieler Lou Williams über Schröder, der bei einer Testspiel-Niederlage gegen Dallas 21 Punkte auflegte. "Man sieht, dass er bereits professionell gespielt hat, es ist nicht sein erstes Rodeo. Wir müssen Dennis nicht mehr viel sagen."

Als erster deutscher Guard in der NBA überhaupt will Schröder hinter Stammspieler Jeff Teague die Hawks zum siebten Playoff-Einzug in Serie führen - für Nowitzki gilt es die Schmach der verkorksten Vorsaison wettzumachen. "Wir wollen zurück in die Playoffs", betonte der Meister von 2011, der erstmals nach zwölf Jahren die K.o.-Runde verpasst hatte. "Es war ein hartes letztes Jahr. Ich habe die Playoffs im Fernsehen angesehen und es hat sich komisch angefühlt. Es war schwierig, das erste Mal seit so langer Zeit nicht dabei zu sein."

Nachdem sich Nowitzki vergangene Spielzeit mit Knieproblemen geplagt hatte, gönnte er sich diesen Sommer nur zwei Wochen Heimaturlaub und investierte viel Zeit in Krafttraining. Auf dem Transfermarkt verpassten die Mavs zwar erneut einen großen Coup. Doch durch die Verpflichtungen von Spaniens früherem Weltmeister José Calderon oder Monta Ellis wäre alles andere als der Playoffs-Einzug für Nowitzki auch ohne zweiten Superstar an seiner Seite eine herbe Enttäuschung.

Nach dieser Saison endet sein Vertrag, der ihn mit 22,7 Millionen US-Dollar Jahreseinkommen zum zweitbestbezahlten Spieler hinter Kobe Bryant macht. Nicht nur wegen der Geburt von Malaika vor drei Monaten deutet aber alles auf eine Verlängerung seiner Zeit in Dallas hin: "Leider ist es noch etwas zu früh, dass sie mich spielen sieht", sagte Nowitzki über seine Tochter. "Aber vielleicht werde ich eines Tages, wenn sie ein bisschen älter ist, immer noch spielen."