Stuttgart (dpa) - Im ersten Strafprozess gegen einen deutschen Doping-Sünder ist Radprofi Stefan Schumacher vom Landgericht Stuttgart vom Betrugsvorwurf freigesprochen worden. Er habe seinen ehemaligen Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer nicht um Gehalt betrogen, verkündeten die Richter.

Damit folgten sie dem Antrag der Verteidigung. Staatsanwalt Peter Holzwarth hatte für Schumacher eine Geldstrafe in Höhe von 16 800 Euro gefordert.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Martin Friedrich kam nach 19 Prozesstagen zu dem Schluss, dass der inzwischen 32 Jahre alte Nürtinger Holczer nicht, wie in der Anklage formuliert, um drei Monatsgehälter (rund 150 000 Euro) betrogen hat. Das Dopingklima im Team Gerolsteiner sei "doch eher freundlich" gewesen", hieß es in der Urteilsbegründung. Die Aussagen Holczers reichten nicht, "um von der Schuld des Angeklagten überzeugt zu sein". Die Staatskasse trägt die Kosten des Verfahrens.

Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben. Schon vor dem Richterspruch hatte Doping-Bekämpfer Werner Franke negative Auswirkungen für die Bemühungen um ein Anti-Doping-Gesetz im Fall einer Verurteilung befürchtet. Eine Verurteilung sei gleichbedeutend mit dem Schluss, dass Ärzte, die Dopingmittel verabreichten, sich nicht strafbar machten. "Der Arzt würde nicht bestraft werden, aber das Opfer, das ist Schumacher, der die ganzen Nebenwirkungen nicht wissen kann, der wird bestraft", hatte der Molekularbiologe gesagt.

Schumacher hatte bei der Tour de France 2008 Doping zunächst geleugnet. Später war er positiv getestet und gesperrt worden. Das Gericht folgte mit seinem Urteil Schumachers Argumentation, Holczer müsse von Doping im Team Gerolsteiner gewusst haben und könne daher nicht betrogen worden sein. Holczer, als Zeuge an dem Prozess beteiligt, hatte das stets vehement bestritten. Er war zur Verkündung nicht im Gerichtssaal 6 erschienen.

Mit ähnlichen Vorwürfen wie Schumacher war auch Jan Ullrich schon konfrontiert. Die Staatsanwaltschaft Bonn stellte die Ermittlungen gegen ihn 2008 aber ein, nachdem Ullrich 250 000 Euro für gemeinnützige Zwecke zahlte. Zu einem Betrugsprozess kam es nicht.

Schumacher dagegen verzichtete auf einen Deal mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft, bevor der Prozess am 10. April begann. Unmittelbar davor hatte er in Interviews Doping nach jahrelangem Leugnen gestanden. Gegen eine Zahlung von 10 000 bis 15 000 Euro hätte er sich nach Angaben seiner Anwälte den Prozess ersparen können.

Den Vorschlag von Richter Friedrich kurz vor dem Beginn der Plädoyers vergangene Woche, das Verfahren für 10 000 Euro einzustellen, wurde dann von Staatsanwalt Holzwarth abgelehnt. Auch Schumacher wollte ein Urteil des Gerichts und sagte: "Mir geht es um den Freispruch. Das Angebot hätte ich so ähnlich schon vor einem Jahr annehmen können."

202 Tage nach dem Prozessauftakt und der Aussage von insgesamt 14 Zeugen folgte das Landgericht dann auch dem Antrag seiner Verteidiger Michael Lehner und Dieter Rössner auf einen Freispruch. Wie die Karriere Schumachers nun weitergeht, ist trotzdem offen. Sein Vertrag beim dänischen Team Christina Watches Onfone läuft Ende des Jahres aus. Der Sprung in ein WorldTour-Team erscheint weiter ausgeschlossen.