Klimaexperten sehen einen "Schimmer Hoffnung": Noch in diesem Jahrzehnt könnte der Anstieg der Kohlendioxidemissionen gestoppt werden. Noch aber steigt der Ausstoß.

Der Ausstoß von Kohlendioxid durch die weltweite Verbrennung fossiler Brennstoffe erreicht nach Angaben von Wissenschaftlern in diesem Jahr einen Rekordwert von 36 Milliarden Tonnen. Dies ist das Ergebnis des Global Carbon Project unter Mitwirkung des britischen Tyndall Centre for Climate Change Research an der University of East Anglia (UEA).

Damit liegt der für dieses Jahr prognostizierte Anstieg von 2,1 Prozent bei den weltweiten Emissionen durch fossile Brennstoffe 61 Prozent über dem Niveau von 1990, dem Ausgangspunkt für das Kyoto-Protokoll. "Die Regierungen, die diese Woche in Warschau zusammenkommen, müssen sich darauf einigen, wie sie diesen Trend umkehren", sagte die leitende Wissenschaftlerin Corinne Le Quéré vom Tyndall-Zentrum.

Neben dem Rekordausstoß von Kohlendioxid sieht die Organisation Germanwatch aber auch Hoffnung auf ein Umsteuern zugunsten des Klimas. So habe China, das weltweit das meiste Kohlendioxid verbreite, den Anstieg seiner Schadstoffemissionen im Vergleich zum Vorjahr verringert, sagte Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals am Montag bei der Vorstellung des Klimaschutzindex auf der UN-Klimakonferenz in Warschau.

Ebenfalls am Montag begann in der polnischen Hauptstadt eine internationale Kohle-Konferenz, die Proteste von Umweltschützern auf sich zog.

Auch wenn es laut der Germanwatch-Studie in einer Reihe von Staaten seit 2010 keine Emissionssteigerung gab, kann von Entwarnung keine Rede sein: "Wir brauchen Umkehr in der Energie- und Klimapolitik der Schlüsselländer, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern", heißt es in dem Bericht.

Deutschland verliert in Rangliste elf Plätze

Deutschlands Position auf dem Klimaschutzindex sank von Platz 8 auf Platz 19. Daran sei vor allem die Blockadepolitik Deutschlands beim Thema Emissionshandel und Autoabgasen schuld, sagte Wendel Trio vom Klimanetzwerk Europa.

Die Europäische Union insgesamt habe ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz aufgegeben, heißt es. Im Bereich Energieeffizienz allerdings sind die europäischen Staaten, ergänzt um Neuseeland, in der Spitzengruppe fast unter sich. Dänemark, Großbritannien und Portugal nahmen die Spitzenplätze im Klimaschutzindex ein. Das Beispiel Portugals zeige, dass es möglich sei, die Wirtschaftskrise und die Klimakrise gleichzeitig in Angriff zu nehmen, sagte Trio. In der Klimapolitik stünden die EU-Staaten derzeit aber still.

Christiana Figueres, die Generalsekretärin des Sekretariats der UN-Klimakonvention, rief unterdessen die Kohlebranche angesichts der Klimaveränderungen zu einem radikalen Wandel auf. Die Industrie könne die politischen Beschlüsse zur Verringerung des Treibhauseffekts und der Erderwärmung nicht ignorieren, sagte sie auf der Internationalen Kohle-Konferenz in Warschau.

Sie appellierte an die Vertreter der Kohleindustrie, alle schadstoffreichen Kraftwerke stillzulegen und auf den Abbau des Großteil der weltweiten Kohlevorkommen zu verzichten. "Es ist in Ihrem Interesse, Kohle zum Teil der Lösung zu machen", sagte Figueres.

Klimaforscher warnten, der Trend zur Kohlenutzung führe zu einer Gefahr, "die über alles hinausgeht, was die Menschheit während ihrer gesamten Existenz auf diesem Planeten bisher erlebt hat". In einer gemeinsamen Erklärung widersprachen die 27 Klima- und Energieexperten aus Deutschland, den USA, Japan, Frankreich, Brasilien und anderen Staaten der Behauptung, das Klimaproblem lasse sich mit emissionsarmen Kohleverbrennungstechniken lösen.

"Selbst die effizientesten kohlebefeuerten Kraftwerke stoßen etwa 15 Mal mehr Kohlendioxid pro Kilowattstunde aus als erneuerbare Energiesysteme und mehr als zweimal so viel wie effiziente gasbefeuerte Anlagen", hieß es in der in Warschau veröffentlichten Stellungnahme.

Umweltschützer protestierten mit einer Reihe von Aktionen sowohl gegen die Kohle-Konferenz als auch gegen die Nutzung von Kohle. Die polnische Stromerzeugung stützt sich zu 90 Prozent auf Kohle. Einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrage zufolge würden mehr als 70 Prozent der Polen erneuerbaren Energien den Vorzug vor Strom aus Kohle geben.