Berlin (dpa) - Die Werder-Profis scheuten erst den Weg zu den eigenen Fans - doch Robin Dutt trieb seine Spieler nach dem Abpfiff in die Bremer Kurve.

"Wir sind natürlich in einer schlimmen Situation", erklärte der Chefcoach nach dem 2:3 bei Hertha BSC, dem fünften Spiel nacheinander ohne Sieg. Der einstige Champions-League-Stammgast rutscht mit kläglichen 16 Punkten immer näher an die gefährliche Zone der Fußball-Bundesliga heran. Dutt stellt sich der brenzligen Situation und fordert das auch von seinen Profis: "Die Ausgangsposition ist nicht so schön für die Rückrunde. Aber es gibt auch schlimmere."

Dutt war als Nachfolger des Werder-Urgesteins Thomas Schaaf angetreten, um den Bremer Traditionsclub nach drei dunklen Jahren wieder in freundlichere Tabellenzonen zu führen. Einen Spieltag vor Abschluss der Hinrunde sieht sich der einstige DFB-Sportdirektor vom grauen Alltag eingeholt: "Ich wäre froh gewesen, diese Phase in sechs Monaten zu stoppen. Jetzt muss wohl jeder einsehen, dass es eine längere Phase ist." Und wenn nach nur einem Punkt in den letzten fünf Spielen nicht schnell die Wende gelingt, kann es noch ganz unbequem werden für die Grün-Weißen. "Wir können nicht sagen, dass wir gerade auf dem richtigen Weg sind", bekannte Werder-Manager Thomas Eichin, der natürlich auch noch das 0:7-Debakel gegen Bayern im Kopf hat.

Das große Problem am 16. Spieltag bei Hertha war wieder die Defensive, die ungeordnet, unkonzentriert und teilweise fast naiv wirkte. Offensiv agierten die Gäste vor 48 721 Fans im Berliner Olympiastadion durchaus mutig und erfolgreich. Nils Petersen (15. Minute) und Aaron Hunt (32.) drückten das auch mit Treffern aus. "Doch wir können nicht immer drei oder vier Tore schießen, um einen Punkt zu gewinnen", bemerkte Dutt. "Das ist einfach zu wenig. So kann man einfach in der Bundesliga nicht verteidigen", sagte Spielmacher Hunt und sprach von "dämlichen Fehlern" vor den Berliner Toren von Adrian Ramos (17./Foulelfmeter/26.) und Ronny (48.).

In drei von vier wichtigen Elementen des modernen Fußballs sei sein Team durchaus wettbewerbsfähig, betonte Werder Bremens Cheftrainer. Athletik, Offensivverhalten und Teamgeist seien top, meinte Dutt. Nur das Verteidigen des eigenen Tores klappt überhaupt nicht, wie nicht nur 14 Bälle belegen, die Torhüter Raphael Wolf in den letzten drei Spielen aus seinem Netz holen musste. Mehr als 37 Gegentreffer hatte keiner der 18 Erstligisten bis zum Freitagabend kassiert. "Immer wenn wir ein zärtliches Pflänzchen hatten, gab es wieder Rückschläge", sagte ein grübelnder Dutt.

So muss sich Werder plötzlich sogar auf Überlebenskampf in Liga eins einstellen. Der Trainer will das aber nicht extra thematisieren, die Tabelle könnten die Spieler schließlich lesen: "Und es wird uns keinen Sieg mehr bringen, wenn sie von mir hören, dass wir jetzt im Abstiegskampf stecken."

Aufsteiger Hertha, selbst in der jüngeren Vergangenheit mit zwei Abstiegen gebeutelt, hat solche Probleme derzeit nicht. Mit 25 Punkten liegen die Berliner klar über Plan. "Wir freuen uns riesig", meinte Erfolgsgarant Jos Luhukay und lobte vor allem "Herz und Leidenschaft" seiner Akteure. Mit dem Spiel gegen Werder war der Hertha-Coach nicht zufrieden: "Das Ergebnis stimmt, aber es hat mir zu wenig Spaß gemacht."