In der aktuellen Debatte um die angebliche Armutszuwanderung aus Südosteuropa hat der Präsident des Deutschen Städtetags Ulrich Maly (SPD) gewarnt, das Problem als Massenphänomen zu dramatisieren.  Der Passauer Neuen Presse sagte er, dass es sich nicht um eine flächendeckende Herausforderung handle.

"Die Schwierigkeiten konzentrieren sich auf etwa ein Dutzend große Städte", meinte Maly. Dort ballten sich soziale Probleme in einigen wenigen Stadtteilen. Er kritisierte, dass in der aktuellen Debatte der Eindruck geschaffen würde, alle Rumänen und Bulgaren, die nach Deutschland kämen, seien Armutszuwanderer oder Sozialbetrüger.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) geht derzeit nur punktuell von Anzeichen für eine Armutszuwanderung aus Rumänien und Bulgarien aus. In der Rheinischen Post sagte BA-Vorstand Heinrich Alt, die BA rechne damit, dass unter den Neuzuwanderern jeder zweite eine gute Ausbildung mitbringe.

Die Bundesregierung will bis Juni in einem eigenen Ausschuss mit Vertretern fast aller Ministerien prüfen, ob und wie gegen einen möglichen Missbrauch von Sozialleistungen vorgegangen werden sollte. Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) sagte, man müsse bestehende falsche Anreize zur Zuwanderung in die Sozialsysteme abbauen. 

Die CSU hatte die Debatte zu Beginn des Jahres losgetreten, da ab 1. Januar die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Rumänien und Bulgarien gilt und diese so keine Arbeitserlaubnis in Deutschland mehr brauchen. Die Partei warnte vor gering qualifizierten Migranten, die wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und so vor allem Sozialleistungen in Anspruch nähmen. Die Opposition kritisierte diese Äußerungen.