Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag einem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht aus den USA getrotzt. Die wichtigsten Indizes fielen zwar nach den Daten von ihren Hochs zurück, hielten sich aber im Plus.

Der Dax stand am Nachmittag 0,75 Prozent höher bei 9493 Punkten, der MDax arbeitete sich um 0,65 Prozent vor auf 16 650 Punkte. Bei 16 715 Punkten hatte der Index mittelgroßer Werte im Verlauf einen neuen Rekord erreicht. Der TecDax zog auf einem Zwölfjahreshoch um 1,21 Prozent auf 1214 Punkte an. Der Eurozonen-Index EuroStoxx 50 legte um 0,71 Prozent zu.

Die mit dem Blick auf den Beschäftigungszuwachs "hässlichen" Arbeitsmarktdaten brächten die designierte US-Notenbankchefin Janet Yellen in eine schwierige Position, sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Denn die überraschend gesunkene Arbeitslosenquote könnte die Notenbanker über ein weiteres Zurückfahren ihrer sehr lockeren Geldpolitik nachdenken lassen. Auf den ersten Blick seien die Zahlen sicherlich enttäuschend, bestätigte Händler Markus Huber von Peregrine & Black. Wenn man genauer hinschaue, schlügen aber auch einige Sonderfaktoren zu Buche.

Lufthansa-Papiere gewannen 6,84 Prozent auf 17,03 Euro. Deutschlands größte Fluggesellschaft sieht sich nach den Sparbemühungen des vergangenen Jahres auf Kurs zu ihren Gewinnzielen, wie aus einer Präsentation hervorgeht. Hinzu kamen laut Händlern noch positive Analystenkommentare. Ein Börsianer verwies zusätzlich auf positive Sektorvorgaben aus den USA.

Die Anteile am größten europäischen Softwarehersteller SAP wurden dagegen nach anfänglichen Gewinnen in Reaktion auf überraschend vorgelegte Eckdaten für das vierte Quartal ans Dax-Ende durchgereicht. Vor allem vom Wachstumstreiber der Walldorfer - der superschnellen Datenbank Hana - hatten sich Händler mehr erwartet. Zuletzt verloren die Aktien 1,13 Prozent auf 61,05 Euro.

ThyssenKrupp-Aktien trotzten indes mit plus 0,94 Prozent den enttäuschenden Alcoa-Zahlen. Der US-Alukonzern hatte am Vorabend nach Börsenschluss für einen schwachen Start in die US-Berichtssaison gesorgt. Gewinn und Ausblick enttäuschten, die Aktie verlor im vorbörslichen Handel in New York fast sieben Prozent.

Neue Fantasie trieb indes die Papiere der Metro AG mit einem Plus von 4,28 Prozent an die MDax-Spitze. Börsianer verwiesen auf Spekulationen um eine mögliche Aufspaltung des Handelskonzerns. Dem Börsenbrief "Platow" zufolge erwägt Haniel-Chef Stephan Gemkow den Verkauf oder Börsengang der Töchter Real, Kaufhof und Media-Saturn.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,60 (Vortag: 1,63) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,12 Prozent auf 132,36 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,31 Prozent auf 140,06 Punkte. Der Euro fiel. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3587 (1,3612) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7360 (0,7346) Euro. Nach den US-Daten erholte sich der Euro auf zuletzt 1,3628 Dollar.