Tauplitz (dpa) - Als Thomas Morgenstern mit 100 Stundenkilometern kopfüber auf den Hang krachte und für einen Moment bewusstlos im Auslauf liegen blieb, herrschte in der Party-Hochburg am Kulm gespenstische Stille.

Das erneute Sturz-Drama des Gesamtzweiten der Vierschanzentournee, der nach seiner fürchterlichen Bruchlandung im Training zum Skiflug-Weltcup umgehend in ein Krankenhaus geflogen wurde, löste tiefe Betroffenheit bei Teamkollegen wie Konkurrenten aus. "Das ist natürlich fatal. Er ist ein großartiger Sportler. Ich wünsche ihm, dass er schnell auf die Beine kommt", sagte Bundestrainer Werner Schuster der Nachrichtenagentur dpa.

Morgenstern verdrehte sich im zweiten Trainingsdurchgang in der Luft und schlug ungebremst mit Rücken und Kopf auf dem Hang auf. Es war bereits der zweite schwere Sturz des dreimaligen Olympiasiegers innerhalb von vier Wochen, nachdem er sich am 15. Dezember in Titisee-Neustadt einen Fingerbruch und Prellungen zugezogen hatte. "Er ist ansprechbar und kann Arme und Beine bewegen. Das ist ganz wichtig", berichtete Herbert Leitner, Physiotherapeut des österreichischen Teams, im ORF-Fernsehen. "Er wollte kurz wissen, was passiert ist."

Bis zum Nachmittag war unklar, ob sich Morgenstern schwere Verletzungen zugezogen hat oder Glück im Unglück hatte. "Es gibt noch keine genaue Diagnose", sagte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner und stellte sichtlich mitgenommen fest: "Wenn es auf einer Skiflugschanze kracht, dann ordentlich."

Ein Materialfehler wurde als mögliche Sturzursache zunächst ausgeschlossen. "Die Ski haben sich in der Luft kurz berührt und danach gelöst. Da wirken dann Kräfte, die man nicht mehr regulieren kann", berichtete Pointner. Auch Schuster sprach von einem "individuellen Fehler" Morgensterns.

Der 27 Jahre alte Österreicher hatte 2003 beim Weltcup in Kuusamo schon einmal einen ähnlichen Horrorsturz erlebt, bei dem er wie durch ein Wunder keine schweren Verletzungen davontrug. "Dieser Sturz ist immer noch in meinem Kopf drin", hatte Morgenstern vor kurzem eingeräumt.

Nach seinem starken Auftritt bei der Vierschanzentournee, wo der achtmalige Weltmeister nur seinem Landsmann Thomas Diethart den Vortritt lassen musste, zählte Morgenstern zu den heißen Medaillenanwärtern für die Olympischen Winterspiele. "Er ist das Herz unserer Mannschaft. Wenn er so schwer stürzt, tut das allen verdammt weh. Ich hoffe das Beste für Thomas", sagte Pointner.

Auch Morgensterns Teamkollegen waren geschockt. "Wenn ein Freund von dir bewusstlos im Auslauf liegt, kann man nicht ruhigbleiben", erklärte Martin Koch. Und Überflieger Gregor Schlierenzauer, der direkt nach Morgenstern vom Bakken musste, sagte: "Gott sei Dank habe ich den schweren Sturz nicht gesehen."