In einem offenen Brief haben sich mehr als 200  Intellektuelle aus aller Welt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt. Die Wahrung der Meinungsfreiheit in Russland steht dabei im Mittelpunkt. Abgedruckt wurde der Brief am Donnerstag im Guardian – einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Die 217 Autoren kritisieren die neuen Anti-Homosexuellen-Gesetze in Russland sowie die scharfen Anti-Blasphemie-Vorschriften. Im Olympia-Gastgeberland ist es beispielsweise verboten, sich in der Gegenwart von Kindern positiv über Homosexualität oder Homosexuelle zu äußern. Die "Beleidigung religiöser Gefühle" ist zudem im Juni 2013 unter Strafe gestellt worden – eine Reaktion auf die Debatte über die russische Protestband Pussy Riot.

In dem Brief heißt es, eine gesunde Demokratie müsse die unabhängigen Stimmen aller ihrer Bürger hören. "Deshalb drängen wir die russische Regierung, diese Gesetze, die die freie Meinungsäußerung unterdrücken, aufzuheben, Russlands Verpflichtungen im Rahmen des internationalen Pakts für bürgerliche und politische Rechte anzuerkennen und die Meinungs- und Glaubensfreiheit zu respektieren."

Bekannte Intellektuelle unter den Unterzeichnern

"Der Würgegriff, in dem Russland die Meinungsfreiheit hält, ist zutiefst beunruhigend und muss zum Thema gemacht werden, um den Weg für eine gesunde Demokratie in Russland zu ebnen" schreibt der indisch-britische Autor Salman Rushdie.

Auch Ljudmila Ulizkaja, eine der wichtigsten zeitgenössischen russischen Autorinnen, äußert sich in dem Brief. Putin versuche, in dem Land eine kulturelle Ideologie zu installieren, die "in vielen Hinsichten den Stil von Sowjet-Propaganda imitiert."

Zu den Unterzeichnern zählen auch drei Literaturnobelpreisträger: Günter Grass, Elfriede Jelinek und Orhan Pamuk.  

Weltweite Kritik an Anti-Homosexuellen-Gesetz

Die russische Regierung hat in den vergangenen Monaten einige umstrittene Gesetze beschlossen. Das im Juni 2013 verabschiedete Gesetz zum Verbot von "Propaganda von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen gegenüber Minderjährigen" – bekannt als Anti-Homosexuellen-Gesetz – rief weltweit Kritik hervor.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon forderte zuletzt:  "Wir alle müssen unsere Stimme gegen Angriffe auf Lesben, Schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle Menschen erheben. Wir müssen gegen Festnahmen, Inhaftierungen und diskriminierende Restriktionen, denen sie ausgesetzt sind, aufbegehren."