Köln (dpa) - Der ADAC soll nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" die Zuschauerzahlen für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring systematisch geschönt haben.

Das Blatt beruft sich dabei auf Dokumente, wonach die vom ADAC genannten Zahlen bei derartigen Veranstaltungen bis zu viermal höher seien als die Menge der tatsächlich verkauften Tickets. Der ADAC Nordrhein in Köln sagte auf dpa-Anfrage, die verkauften Tickets seien bei der Ermittlung der Zuschauerzahlen nur eine von mehreren Komponenten.

Laut ADAC fließen auch Karten für Fahrer, Teams und Gäste, Freikarten, Mehr-Tages-Tickets oder Permanent-Pässe in die Statistik mit ein. Da die weitläufige Rennstrecke schwer zu kontrollieren sei, schauten zudem viele Fans ohne Ticket zu. Ihre Zahl werde mit Luftaufnahmen ermittelt und mit Schätzungen der Behörden ergänzt. "Diese Zählweise ist im Übrigen gängige Praxis bei nationalen und internationalen Großveranstaltungen", sagte eine ADAC-Sprecherin.

Konkret geht es um das Rennen im Jahr 2012. Die "Zeit" zitiert aus einem Schreiben der früheren Nürburgring-Betreiber an den Vorsitzenden des ADAC Nordrhein, Peter Meyer, der kürzlich im Zuge des Autopreis-Skandals als ADAC-Präsident zurückgetreten war. In dem Brief von 2012 ist von einer "Tradition der falschen und weit überhöhten Angabe von Besucherzahlen" die Rede. Danach hatte der Automobilclub 235 000 Besucher gemeldet, obwohl nur 49 048 Eintrittskarten und 16 418 Campingkarten verkauft wurden.

Ende Januar hatten bereits die Grünen aus dem rheinland-pfälzischen Trier dem ADAC vorgeworfen, die Besucherzahlen der Deutschland-Rallye manipuliert zu haben. Nach Angaben der Stadtratsfraktion unterstützt die Stadt Trier die Veranstaltung mit etwa 140 000 Euro im Jahr - Grundlage seien die vom ADAC angegebenen Zuschauerzahlen, hieß es. Auch damals wies der Club den Manipulationsvorwurf zurück.

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