Kiew (dpa) - Nach der Machtübernahme in der krisengeschüttelten Ukraine will die bisherige Opposition rasch alle wichtigen Posten besetzen.

Das ukrainische Parlament hat seinen neuen Chef Alexander Turtschinow zum Übergangspräsidenten bestimmt. Die Abgeordneten votierten dafür, die Vollmachten des Staatsoberhaupts vorübergehend auf den Parlamentschef zu übertragen. Auch die freigelassene Oppositionsführerin hat für diesen Posten kandidiert. Die Ex-Regierungschefin Timoschenko war am Vortag nach rund zweieinhalb Jahren aus ihrer umstrittenen Haft entlassen worden. Nur Stunden später hielt die erkrankte Politikerin eine emotionale Rede vor mehr als 100 000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew. Sie saß dabei im Rollstuhl. Timoschenko war bisher zweimal Ministerpräsidentin der Ex-Sowjetrepublik.

Wo sich der abgesetzte Staatschef Viktor Janukowitsch aufhält, war weiter unklar. Auch sein Vertreter im Parlament, Juri Miroschnitschenko, betonte, er wisse es nicht.

In Kiew war die Lage ruhig. Mit Patrouillen bewachte die Opposition weiter die Barrikaden am Maidan. Dort hatte Timoschenko am Vorabend an die Menschen appelliert, mit ihrem Kampf nicht nachzulassen. Erst Neuwahlen, die für den 25. Mai angesetzt sind, könnten den Machtwechsel abschließen.

Der neue Innenminister Arsen Awakow teilte mit, er habe interne Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs gegen 30 Mitglieder seiner Behörde einleiten lassen. Dabei gehe es um ihre Rolle bei den blutigen Straßenkämpfen zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern in Kiew, bei denen mindestens 82 Menschen getötet worden waren.

Der Internationale Währungsfonds IWF zeigte sich bereit, das nahezu bankrotte Land zu unterstützen. "Wenn die ukrainischen Behörden sich an den IWF wenden, sei es mit der Bitte um Beratung, sei es wegen Diskussionen über finanzielle Hilfen, gekoppelt an Wirtschaftsreformen, stehen wir selbstverständlich bereit", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in Sydney. Nötig seien aber legitimierte Gesprächspartner.

Auf frisches Geld aus Russland muss die Ukraine hingegen weiter warten. Der russische Finanzminister Anton Siluanow bekräftigte beim Treffen der G20-Finanzminister in Sydney einmal mehr, dass Moskau zunächst die Regierungsbildung abwarten wolle, bis es von Kremlchef Wladimir Putin zugesagte Milliardenhilfen weiter auszahle.

Janukowitsch hatte Ende November auf Druck Russlands ein historisches Abkommen mit der EU über engere Zusammenarbeit auf Eis gelegt - der Auslöser für die Proteste, die schließlich zu seinem Sturz führten.

Lagebericht US-Außenministerium zur Ukraine, 21.2., Englisch

UN-Generalsekretär spricht mit Janukowitsch, 21.2., Engl.

Carl Bildt: Europas Krise in der Ukraine, Engl.

Livestream Kiew, espreso.tv

Kiewer Tageszeitung "Kyiv Post", Engl.

US-Botschaft zu Telefonat Obama-Putin, 21.2., Engl.

Bericht Transparency Ukraine zur Lage im Land, Engl.

Bertelsmann-Stiftung zu Ukraine-Strategien, 21.2.

Carnegie Eurasia zur Lage in der Ukraine, Engl.

Foreign Affairs zur Lage, 21.2., Engl.

RFE/RL "Bringt die Einigung Frieden", 21.2., Engl.

AA zur Vereinbarung in Kiew, 21.2.

AA, Reise- und Sicherheitshinweise, 22.2.

Website Ukrainische Botschaft Berlin, Deutsch