Neu-Ulm (dpa) - Es rumort in der Basketball-Bundesliga - und zwar gewaltig. Auf dem Weg zum ambitionierten Ziel, bis 2020 die beste Liga Europas zu werden, beanstanden viele Clubs mangelnde Professionalität an der BBL-Spitze. Im Mittelpunkt der Kritik: Präsident Thomas Braumann.

Dem Unternehmensberater werden Alleingänge vorgeworfen, die in der vorschnellen Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Jan Pommer gipfelten. Auch die unbefriedigende TV-Situation und eine Spielplan-Diskussion bergen vor der AG-Sitzung in Neu-Ulm Sprengstoff. "Es gibt eine gewisse Unzufriedenheit", sagte Ulms Geschäftsführer Thomas Stoll der Nachrichtenagentur dpa.

"Es rumort schon in der Liga", berichtete Wolfgang Heyder, Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg. "Man hatte in den letzten Monaten schon den Eindruck, dass vieles im stillen Kämmerlein entschieden wurde." Und auch beim Zugpferd Bayern München sieht man Redebedarf. "Natürlich gibt es einige Sachen, die wir ganz ernsthaft besprechen müssen", sagte Geschäftsführer Marko Pesic. Das turnusmäßige Meeting am Rande des Top Four verspricht viel Spannung.

"Ich glaube nicht, dass die Sitzung besonders harmonisch wird", kündigte Stoll an. "Das ist unsere Liga." Stoll hat sich zu einem der Hauptkritiker entwickelt. Mit dem Bau einer neuen Arena und einigen beachtlichen sportlichen Erfolgen hat er mit ratiopharm Ulm in der jüngsten Vergangenheit einen Quantensprung hingelegt. Ein ähnliches Entwicklungstempo fordert nicht nur er auch von den Liga-Verantwortlichen.

"Wir müssen das Produkt BBL nach außen besser verkaufen. Das ist elementar für die Entwicklung der Liga", sagte Pesic. Dafür zuständig ist in erster Linie die Geschäftsführung mit Pommer an der Spitze, dessen vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2018 nun für heftige Verstimmungen gesorgt hat. Dabei gehe es nicht um die Person Pommer, wie die Kritiker versichern. Doch dass die Clubs von der Verlängerung erst aus den Medien erfahren haben, hat die Vereinsverantwortlichen massiv verärgert.

Zudem befasst sich der Deutsche Basketball Bund, der mit 26 Prozent an der Liga beteiligt ist und einem neuen Kontrakt des Geschäftsführers als Teil der Gesellschafterversammlung zustimmen soll, erst auf seiner Präsidiumssitzung mit dem Thema. "Das ist sicherlich nicht okay", sagte Oliver Herkelmann, Geschäftsführer bei Phoenix Hagen, über die Informationspolitik zur Personalie Pommer. ALBA Berlins Geschäftsführer Marco Baldi nennt den Vorfall einen "bösen Lapsus".

Allerdings mahnt er an, den Unmut über die Form "von einer inhaltlichen Diskussion zu trennen". Denn es gibt genug Themen - vor allem den neuen TV-Vertrag. Die Zusammenarbeit mit Sport1 läuft im Sommer aus. In den Clubs sind sie mit den Übertragungen im Spartensender unzufrieden, die Live-Spiele würden "lieblos und ohne Vor- und Nachberichterstattung" (Stoll) präsentiert. "Wir müssen uns finanziell und von der Reichweite her verbessern", fordert Pesic.

Bei Sport1 erklärt man, mit der Kritik sei noch niemand direkt an sie herangetreten. Der Sender ist mit der in dieser Saison bislang erreichten durchschnittlichen Reichweite von 130 000 Zuschauern selbst nicht zufrieden. Man habe sich "durchaus auch ein höheres Wachstum der BBL-Reichweiten gewünscht", sagte Sport1-Geschäftsführer Olaf Schröder der dpa. Dennoch sei eine weitere Zusammenarbeit "eine denkbare Option".

Es gibt also genug zu besprechen, ehe die vier Topteams München, Bamberg, Berlin und Gastgeber Ulm den ersten Titel der Saison ausspielen. Ob Präsident Braumann die Partien dann noch genießen kann, bleibt abzuwarten. Er selbst wollte sich in den Tagen vor der Sitzung nicht äußern. In der "Süddeutschen Zeitung" räumte er zuletzt lediglich einen "Kommunikationsfehler" ein, ansonsten hält er seine Vorgehensweise für richtig. Doch damit steht Braumann ziemlich alleine. Pommer nimmt das Stimmungsbild dagegen ernst. "Wir wissen schon sehr wohl, für wen wir das machen. Wir sind Dienstleiter für die Vereine", sagte der Geschäftsführer.