Berlin (dpa) - In einem bundesweiten Modellprojekt sollen Patienten in Sachsen und Thüringen künftig besser vor unerwünschten Folgen von Medikamenten geschützt werden. Bei den teilnehmenden Versicherten der AOK Plus verordnen Ärzte ab 1. Juli Wirkstoffe statt Fertigarzneimittel.

Die Apotheker entscheiden dann über das Medikament. Dies betrifft rund 200 Arzneistoffe, wie die Kasse und die beteiligten Ärzte- und Apothekerorganisationen am Donnerstag in Berlin mitteilten. Zentral bei dem Projekt sei es, dass Chroniker und Patienten mit mehreren Krankheiten besser beraten werden. Unerwünschte Wechselwirkungen bei mehreren Pillen gleichzeitig sollen eingedämmt werden.

Die Ärzte sollen zudem eine Hilfestellung zur Auswahl optimaler Wirkstoffe durch einen Katalog bekommen. Patienten mit mehreren Krankheiten und mehr als fünf Arzneimitteln sollen spezielle Medikationspläne erhalten können und von den Ärzten und Apothekern besser betreut werden. Die Patienten sollen die Mittel auch verstärkt exakt wie verordnet einnehmen.

Der AOK-Plus-Vorsitzende Rainer Striebel wies etwa auf den extremen Fall eines 83-Jährigen hin, der täglich 32 verschiedene Medikamente einnehme. Dessen gesamte Medikation solle beispielsweise umfassend überprüft werden. Arzt und Apotheker würden sich für ein entsprechendes Gespräch Zeit nehmen.

Teilnehmende Ärzte und Apotheker sollen eigens bezahlt werden. Für sie ist die Teilnahme ebenso wie für die Versicherten freiwillig. Sachsen und Thüringen seien am besten als Modellregion geeignet, da diese Länder bundesweit den höchsten Anteil an Patienten mit dauerhaft mehr als fünf Arzneimitteln hätten, hieß es weiter.

Das Projekt basiert auf einem bereits vor drei Jahren vorgestellten Konzept von Ärzte- und Apotheker-Organisationen und einer entsprechenden gesetzlichen Regelung. Einsparungen soll es geben, weil die Apotheker verstärkt Rabatt-Arzneimittel abgeben sollen.