Berlin (dpa) - Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin braucht dringend frisches Geld - Verhandlungen darüber sind offenkundig aber ins Stocken geraten. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche musste die angeschlagene Airline ihre Bilanzvorlage verschieben - diesmal gleich um mehrere Wochen.

"Air Berlin arbeitet weiter an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung, die Eigenkapital und Liquidität der Air Berlin Gruppe stärken würde", teilte das Unternehmen mit. Weitere Einzelheiten drangen am Donnerstag zunächst nicht durch.

Die Fluggesellschaft verhandelt mit Gesellschaftern, aber auch mit "weiteren Parteien", die nicht näher genannt wurden. In der vergangenen Woche hieß es, diese Gespräche seien bereits "fortgeschritten", dennoch gab es augenscheinlich keine Einigung.

Schon seit Jahren ist Air Berlin schwer angeschlagen, steckt bereits im zweiten Sparprogramm. Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer und Finanzchef Ulf Hüttmeyer hatten im November trotz aller Anstrengungen einen Verlust für 2013 angekündigt - es wäre das fünfte Negativ-Ergebnis in sechs Jahren. Im Ausnahmejahr 2012 hatte einzig der Verkauf des Vielfliegerprogramms die Gesellschaft in schwarze Zahlen gerettet.

Dass Ähnliches auch 2013 gelingen würde, hatte der Vorstand zum Jahreswechsel nicht mehr in Aussicht gestellt. Erhoffte Sondererlöse sollten lediglich den Verlust eindämmen. Analysten erwarten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge für das abgelaufene Jahr einen operativen Jahresverlust von 110 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte das Minus mit 175 Millionen Euro noch größer ausfallen.

Der arabische Großaktionär Etihad sei unzufrieden mit der Sanierung, heißt es in Kreisen. Berichten zufolge soll sich Air Berlin deshalb von der Börse zurückziehen und Etihad mehr Einfluss geben. Die Araber sind mit 29,21 Prozent an Air Berlin beteiligt. Laut "Wirtschaftswoche" würden sie Deutschlands kriselnde Nummer zwei gern komplett übernehmen. Dann gingen allerdings Start- und Landerechte verloren. Etihad bräuchte daher deutsche oder europäische Investoren, die die Mehrheit der Stimmrechte halten, den Arabern aber Einfluss gewähren.

Derzeit halten Kleinanleger 38,5 Prozent der Aktien. Spekuliert wird, deutsche Großaktionäre wie der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sollten sie ihnen abkaufen und dann die Mehrheit übernehmen.

Berichten zufolge erwägt Etihad zudem eine regionale Partnerschaft mehrerer europäischer Airlines. Zunächst müssten die Araber dafür die ebenfalls angeschlagene italienische Alitalia schlucken - Gespräche dazu seien bereits nahezu abgeschlossen, hatten sie Anfang Februar berichtet. Der Gruppe könnten dann Air Berlin, Aer Lingus aus Irland, die Schweizer Darwin Airline und Air Serbia beitreten.

Ad-hoc-Meldung zur Verschiebung der Bilanzvorlage