Frankfurt/Berlin (dpa) - Mit massiven Warnstreiks an sieben deutschen Flughäfen hat die Gewerkschaft Verdi viele Flüge ausfallen lassen. Allein am größten deutschen Drehkreuz in Frankfurt wurden von Betriebsbeginn an bis zum angekündigten Streikende um 14.30 Uhr 554 Flüge annulliert, wie der Flughafenbetreiber Fraport berichtete.

Hintergrund sind die Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst des Bundes und der Länder, zu denen auch noch Beschäftigte der einstmals öffentlichen Flughafengesellschaften gehören.

Die meisten Ausfälle in Frankfurt betrafen die Lufthansa, die bereits am Mittwoch jeden dritten ihrer weltweit 1800 für diesen Tag geplanten Flüge abgesagt hatte. Anders als am zweiten Drehkreuz München wurden in Frankfurt auch die Übersee-Flüge gestrichen, während sonst vor allem innerdeutsche und europäische Ziele bis zum Nachmittag nicht angeflogen wurden. Lufthansa strebt eine möglichst schnelle Rückkehr zum normalen Flugplan an.

Die Beschäftigten der Fraport hatten ab Betriebsbeginn ihre Arbeit ruhen lassen. Laut Verdi-Sekretär Uwe Schramm beteiligten sich in Frankfurt am Morgen mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter an dem Streik. "Es läuft besser als erwartet."

Die Situation in den Terminals blieb wegen der rechtzeitigen Informationen ruhig. Die Airlines hatten viele Passagiere umgebucht oder bei kurzen Entfernungen auch mit der Bahn transportiert. Laut Fraport fand in der gesamten Streikzeit ein eingeschränkter Flugverkehr mit etwa 20 Starts und Landungen pro Stunde statt. Sonst sind teils über 90 Flugbewegungen in der Stunde üblich.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle verteidigte die häufigen Streiks im Luftverkehr. Sie seien auch eine Folge der Privatisierungen in diesem Wirtschaftszweig. Als die Flughäfen noch komplett öffentlich betrieben wurden, habe Verdi noch für alle Beschäftigten die Tarife ausgehandelt, meinte Behle, die auch Vize-Aufsichtsratschefin der Lufthansa ist. Nachdem unter anderem auf Druck der Airlines immer mehr Leistungen ausgegliedert und privatisiert worden seien, müssten viele Beschäftigte etwa im Sicherheitsgewerbe nun zu schlechteren Bedingungen arbeiten. "Dass die sich ein Stück ihrer Arbeits- und Einkommensbedingungen zurückholen wollen, ist klar."

Rückenwind erhielten die Beschäftigten vom Abschluss eines neuen Tarifvertrags für die privaten Sicherheitsleute an Flughäfen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland am Mittwochabend. Auch wegen des Nachholbedarfs gegenüber anderen Tarifgebieten hat Verdi dort Lohnerhöhungen von bis zu 27 Prozent durchgesetzt. Die privaten Sicherheitsleute hatten erst vor gut einem Monat mit einem Warnstreik die Passagierabfertigung in Frankfurt lahmgelegt.

Flugausfälle gab es am Donnerstag auch an anderen Flughäfen. Verdi hatte im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes zu mehrstündigen Warnstreiks der Flughafenbeschäftigten auch in München, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln/Bonn und Stuttgart aufgerufen.

In München wurden 133 Flüge gestrichen, die meisten ebenfalls bei Lufthansa. Der verbleibende Betrieb verlief ruhig und geregelt. Flughafensprecher Robert Wilhelm sagte, es habe keine Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung oder beim Ein- und Aussteigen gegeben. "Dadurch, dass die Streikbeteiligung relativ gering bei knapp 30 Prozent liegt, können alle anderen Dinge sichergestellt werden. Das Gepäck geht raus und rein, die Busse fahren, wo sie benötigt werden, und es ist sichergestellt, dass die Treppen an die Flugzeuge fahren." Auf den Bus umsteigen mussten die Fußball-Profis von Bayer Leverkusen, die nach dem Auswärtssieg in Augsburg keinen Flug in die Heimat bekamen.

In Hamburg wurden jeweils 16 Anflüge und Abflüge zwischen Frankfurt und Hamburg sowie München und Hamburg annulliert. Am Airport Köln/Bonn strichen Airlines nach Angaben eines Flughafensprechers vorsorglich 13 der insgesamt 80 bis zum frühen Nachmittag geplanten Starts und Landungen. Auch in Düsseldorf und Hannover fielen Flüge aus. In Stuttgart hatte der Warnstreik zunächst keine spürbaren Beeinträchtigungen für die Passagiere zur Folge.

Auf den Flughäfen in Berlin gab es zwar keine Arbeitsniederlegungen. Doch wegen der Warnstreiks an den anderen Flughäfen wurden nach Angaben eines Flughafensprechers bis zum Nachmittag 33 Flüge von und nach Berlin-Tegel gestrichen.

Zudem hatte Verdi mehrere zehntausend Beschäftigte aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes wie Stadtverwaltungen oder Kitas zu Warnstreiks aufgerufen. Am Donnerstag sollte es in mehreren Bundesländern Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen geben.

Verdi will damit Druck vor der dritten Tarifrunde machen. Die Gewerkschaften fordern, dass die Einkommen der 2,1 Millionen Angestellten im Bund und in den Kommunen um einen Betrag von 100 Euro und dann zusätzlich um weitere 3,5 Prozent steigen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt.

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Verdi zur Tarifrunde