Stuttgart/Peking (dpa) - Mit einem Milliarden-Deal in China will Daimler seine Aufholjagd auf dem wichtigen Automarkt vorantreiben. Die Schwaben und ihr chinesischer Partner Beijing Automotive (BAIC) unterzeichneten eine Vereinbarung über den Ausbau der Auto- und Motorenproduktion im Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz (BBAC).

Wie der Dax-Konzern in Stuttgart mitteilte, investieren beide Seiten gemeinsam eine Milliarde in die Kapazitätserweiterung. Die Unterzeichnung erfolgte im Rahmen des Besuchs von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Berlin.

Die Summe ist Teil eines früheren Abkommens über Investitionen von insgesamt vier Milliarden Euro bis 2015. Nach dem Bau eines Motoren- und eines Kompaktwagenwerks in China ist die jüngste Ankündigung nun einer der nächsten großen Schritte. "Der chinesische Automarkt hat weiterhin großes Potenzial", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. "An diesem Wachstum wollen wir auch durch den Ausbau der marktnahen Fertigung teilhaben." Auch andere Autobauer wie BMW und Opel stehen auf dem weltgrößten Pkw-Markt derzeit vor Veränderungen.

Die Schwaben kooperieren seit zehn Jahren mit Beijing Automotive. Im November war Daimler mit einer Investition von 625 Millionen Euro bei ihrem Partner eingestiegen und hatten zwölf Prozent an Beijing Motor, dem Pkw-Arm des chinesischen Fahrzeugproduzenten, übernommen. Es war das erste Mal, dass ein ausländischer Autobauer einen größeren Anteil an einem staatlichen chinesischen Hersteller erworben hat.

In ihrem Joint Venture in Peking werden die E- und C-Klasse sowie der Geländewagen GLK gebaut. Ab 2015 soll die GLA-Klasse das vierte lokal produzierte Modell werden. Die Kapazitäten sollen den Angaben zufolge auf 200 000 Fahrzeuge in 2015 ausgelegt und somit mehr als verdoppelt werden. Nach den behördlichen Vorschriften dürfen ausländische Hersteller in China nur in Gemeinschaftsunternehmen produzieren.

Auch Daimlers Erzrivale BMW hat in China bereits Verbündete: Die Bayern kündigten am Freitag an, die Zusammenarbeit mit ihrem chinesischen Partner Brilliance Automotive vertiefen zu wollen. Beide Unternehmen unterzeichneten demnach in Berlin eine entsprechende Absichtserklärung. Details wurden nicht genannt. BMW und Brilliance arbeiten seit zehn Jahren in dem Joint Venture zusammen und fertigen unter anderem den 5er im Werk Dadong in der Stadt Shenyang.

Der Autobauer Opel stellte am Freitag ebenfalls wichtige Weichen in China - allerdings anders als BMW und Daimler. Die Marke mit dem Blitz soll demnach aus dem Land verschwinden, wie Opel mitteilte. Modelle wie Insignia, Astra und Mokka sollen künftig unter dem Label der GM-Schwestermarke vertrieben werden.

Die Zusammenarbeit mit BAIC ist für Daimler ein wichtiger Türöffner im Land, das mittlerweile zum größten Pkw-Markt der Welt aufgestiegen ist. "Mit der heute unterschriebenen Vereinbarung stellen wir die Weichen für weiteres nachhaltiges Wachstum in China", kündigte China-Vorstand Hubertus Troska an.

Daimler hat auf dem wichtigen Automarkt - wo die Schwaben der Konkurrenz zuletzt hinterherhinken - einige Veränderungen vorgenommen. Dazu zählen unter anderem der Umbau des Vertriebs und ein eigener Vorstand für das Riesenreich. Im Februar hatte Daimler dort im Vergleich zum Vorjahr ein Absatzplus von mehr als 73 Prozent auf 17 596 Fahrzeuge verbucht.

Trotz des großen Sprungs - der auch an einem vergleichsweise schwachen Vorjahresmonat lag - liegen die Stuttgarter aber immer noch hinter den Erzrivalen BMW und Audi. Auch bei BMW schossen die Verkaufszahlen im Februar in die Höhe: Die Münchner legten um gut 29 Prozent auf 30 281 Autos zu. Damit lagen sie nur knapp hinter der Volkswagen-Tochter Audi, die um knapp sieben Prozent auf 32 358 Stück wuchs - und nach wie vor die größte Premium-Marke in China bleibt.

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