Slawjansk/Washington (dpa) - Knapp einen Monat nach Ausbruch der Unruhen im Osten der Ukraine hat die prowestliche Führung Hochburgen der Separatisten mit einem massiven Militäreinsatz angegriffen.

Bei Kämpfen in Slawjansk und Kramatorsk gab es unbestätigten Angaben zufolge Tote und Verletzte. Im südukrainischen Odessa starben bei Krawallen und einem Gebäudebrand nach Behördenangaben mindestens 38 Menschen.

Der Kreml reagierte mit scharfer Kritik auf die Zuspitzung der Lage in der russisch geprägten Osten des Landes. Präsident Wladimir Putin sagte, die Militäroffensive zerstöre die "letzte Hoffnung" auf eine diplomatische Lösung, offenbar sei Kiew nun im Kampfmodus.

Moskau hatte für den Fall eines gewaltsamen Vorgehens gegen die prorussischen Kräfte ein militärisches Eingreifen nicht ausgeschlossen. Es gab aber keine Hinweise auf entsprechende Truppenbewegungen.

Der Konflikt griff auch auf die 500 Kilometer südwestlich gelegene Hafenmetropole Odessa über. Anhänger und Gegner der Übergangsregierung in Kiew lieferten sich dort schwere Straßenschlachten. Dabei wurde das zentrale Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt. Mindestens 31 Menschen starben in den Flammen. Bei den Krawallen kamen zudem mindestens vier weitere Menschen ums Leben. Ärzte berichteten von mehr als 170 Verletzten in der Stadt.

Das russische Außenministerium machte für die Vorfälle die Zentralregierung verantwortlich. Die "Tragödie von Odessa" sei ein weiterer Beleg für "Kiews kriminelles Vertrauen auf Gewalt und Einschüchterung", hieß es. Das Ministerium verlangte demnach mehr Informationen darüber, ob Russen unter den Opfern waren. Itar-Tass berichtete unter Berufung auf ukrainische Medienberichte von 15 getöteten Russen.

Die stellvertretende Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf, bedauerte den "sinnlosen Tod so vieler Menschen". Sie rief zur raschen Deeskalation in dem Land und Umsetzung der Genfer Vereinbarungen auf.

US-Präsident Barack Obama drohte nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus, rasch weitere Sanktionen gegen Moskau zu verhängen, falls Russland die Lage weiter außer Kontrolle bringe. Merkel pflichtete ihm bei und forderte konkrete Taten von Moskau. "Es ist uns ernst", sagte sie.

Der Westen wirft Russland vor, die Separatisten im Osten der Ukraine zu unterstützen und hat deswegen Sanktionen gegen Moskau verhängt. Prorussische Aktivisten halten dort seit Wochen Dutzende Verwaltungsgebäude besetzt und fordern mehr Autonomie für die Region.

Die Führung in Kiew befürchtet, dass Putin seine Truppen in die Ost- und Südukraine einmarschieren lassen könnte - mit dem Argument, wie auf der Krim russische Bürger oder Interessen schützen zu müssen. Ein Mandat für diesen Fall hatte sich Putin vom Parlament geben lassen. Moskau hält im Gegenzug der EU und den USA vor, die Regierung in Kiew zu den jüngsten Angriffen ermuntert zu haben.

Im Osten rückten Regierungstruppen am Freitagabend mit Schützenpanzern in das Zentrum der besetzen Stadt Slawjansk vor. Das ukrainische Verteidigungsministerium erklärte, "Terroristen" hätten nahe der Stadt mit tragbaren Flugabwehrraketen zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet und weitere verletzt worden. Später seien vier mutmaßliche Schützen festgenommen worden. Das Ministerium veröffentlichte Fotos von vier gefesselten Männern in Zivilkleidung mit über den Kopf gestülpten Säcken.

Mitteilung des Außenministeriums, Russisch

How to Use Energy to Undercut Putin, German Marshall Fund

Special Monitoring Mission in Ukraine

Why should Europe care what happens between Ukraine and Russia?, Debating Europe

How to Save Ukraine, CEPS