Dessau-Roßlau (dpa) - Das Umweltbundesamt warnt vor dem zu schnellen Einsatz einer chemischen oder biologischen Keule gegen gefährliche Eichenprozessionsspinner.

"Diese Bekämpfung wirkt nicht nur auf den Schädling, sondern tötet unbeabsichtigt auch andere Lebewesen. Zuerst sollte geprüft werden, wo und ob der Befall toleriert werden kann", sagte der Vizepräsident der Behörde, Thomas Holzmann. Der Naturschutzbund (Nabu) will in Brandenburg das Ausbringen von Gift gegen die Schmetterlingsraupe sogar gerichtlich verbieten lassen.

Die Raupen der Eichenprozessionsspinner schlüpfen zwischen Ende April und Anfang Mai. Sie sind zunächst gelblich-braun, später bläulich-schwarz und maximal fünf Zentimeter lang. Ab einem gewissen Zeitpunkt wachsen ihnen giftige Härchen, die leicht abbrechen und durch die Luft über 100 Meter weit getragen werden können. Diese können starke allergische Reaktionen auslösen.

Eine chemische oder biologische Bekämpfung in Eichenwäldern dürfe nur vorgenommen werden, wenn durch den Kahlfraß der Eichenprozessionsspinner ein Absterben ganzer Waldbestände drohe, erklärt das Umweltbundesamt, das seinen Sitz in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) hat. Ob dies wirklich eintritt, sei umstritten, weil Eichen nach einem Kahlfraß erneut austreiben können. Statt einer Bekämpfung könnten vom Menschen wenig genutzte Gebiete vorübergehend abgesperrt werden. Wenn nur einzelne Bäume befallen seien, könnten die Raupen auch durch professionelle Schädlingsbekämpfer abgesaugt werden.

Die Tiere bewegen sich bei der Futtersuche wie in einer Prozession hinter- oder nebeneinander. Nach Angaben des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut) breitet sich der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner aufgrund von Klimaveränderungen aus. Dies sei nicht nur ein Problem für die Forstwirtschaft, sondern auch für die Gesundheit. Die giftigen Raupenhaare werden ab dem dritten Larvenstadium gebildet. Kommen diese Brennhaare mit der Haut in Kontakt oder werden sie eingeatmet, können Menschen krank werden. Die Symptome reichen von Hautirritationen, Augenreizungen und Atembeschwerden bis hin zu Asthmaanfällen.

In den vergangenen Jahren hatte sich der Eichenprozessionsspinner vor allem im Nordosten und Südwesten Deutschlands massenhaft verbreitet. Auch Teile von Nordrhein-Westfalen waren betroffen. In mehreren Bundesländern beginnt jetzt die Bekämpfung der Raupen.

Der Naturschutzbund (Nabu) will das Sprühen von Gift gegen Eichenprozessionsspinner in Brandenburg vor Gericht stoppen. Dabei geht es um den Einsatz der Biozide "Dimilin", "Dipel Es" und "Karate". Der Nabu möchte gegen die vom Land und den Kreisen hierfür erlassenen Verfügungen vorgehen. Hauptkritik sei, dass die Naturschutzverbände als Träger öffentlicher Belange im Verfahren nicht beteiligt wurden, hieß es. Durch den massiven Einsatz der Insektizide können nach Angaben der Naturschützer auch bis zu 214 andere Schmetterlingsarten geschädigt werden.

Nach einer Auskunft der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion kostete den Bundesländern die Bekämpfung der Raupen im vergangenen Jahr mehrere Millionen Euro. Allein das Land Brandenburg zahlte 4,5 Millionen Euro, Berlin gab 400 000 Euro aus.

Mitteilung Umweltbundesamt

Faltblatt des Julius Kühn-Instituts zum Eichenprozessionsspinner

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