Frankfurt/Main (dpa) - 20 Fernsehkameras, noch mehr Fotografen, der komplette Aufsichtsrat im Raum versammelt: Mit diesem gewaltigen Auflauf endeten die monatelange Trainersuche von Eintracht Frankfurt und der erste Auftritt von Thomas Schaaf als Chefcoach außerhalb Bremens.

Die Eintracht verpflichtete überraschend jenen Mann als Nachfolger von Armin Veh, der zuvor 14 Jahre lang Werder Bremen trainiert und 2004 sogar zum deutschen Meister gemacht hatte.

"Das ist zwar nicht mehr die Normalität heute. Aber wenn es auch 14 Jahre in Frankfurt werden, wäre das okay", sagte der 53-Jährige nach seiner Unterschrift unter einen Zweijahresvertrag. "Man hat zuletzt sehr gut verfolgen können, welchen Weg Eintracht Frankfurt gegangen ist. Sie haben eine sehr gute Entwicklung genommen und den Verein auf eine gesunde Basis gestellt. Ich habe selbst vor dem Fernseher gesehen, wie die Mannschaft im Europacup gegen Porto so unglücklich ausgeschieden ist, aber so großartig gespielt hat. Da habe ich gesehen: Hier kann was passieren. Hier ist eine Entwicklung möglich."

Auf den ersten Blick ist Schaafs Verpflichtung eine Überraschung. Denn zuletzt galten vor allem Roberto di Matteo, Bernd Schuster und Thorsten Fink als aussichtsreichste Kandidaten auf diesen Job. Doch bei genauerem Hinsehen passt der langjährige Werder- Coach sehr gut in das vom Verein ausgegebene Profil. Er kennt die Bundesliga seit Jahren und lässt genau wie sein Vorgänger Veh einen offensiven Fußball mit hohem Wiedererkennungswert spielen. "Er steht für Kontinuität, für offensiven Fußball, für Talentförderung und für Erfolg", sagte Sportchef Bruno Hübner.

Ein letztes intensives Gespräch an diesem Montag gab den Ausschlag für die Zusammenarbeit. Zudem unterhielt sich Schaaf auch lange mit dem zum VfB Stuttgart zurückkehrenden Veh.

Und während sich andere Kandidaten wie Schuster regelmäßig selbst über die Medien ins Gespräch brachten ("Wenn das klappen würde, würde ich mich riesig freuen"), war von Schaaf seit seiner abrupten Trennung von Werder Bremen ein Jahr lang fast nicht zu hören oder sehen in der Öffentlichkeit. Das ist eine Seltenheit im Showgeschäft Bundesliga, gilt aber gerade bei dem sehr ähnlich denkenden Frankfurter Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen als Ausweis von Seriosität und Professionalität.

"Es war ganz gut, dass ich eine so lange Pause hatte", sagte Schaaf. "Es tat gut, mal ein bisschen auf die Seite zu treten und von der Seite aus auf das Geschäft zu schauen. Außerdem hatte ich die Zeit, das eine oder andere zu hinterfragen und mich fortzubilden. Ich habe nach ungefähr einem halben Jahr gemerkt, dass ich mich wieder mehr mit der Bundesliga beschäftigen will."

Zwischen 1999 und 2013 hatte der gebürtige Mannheimer die Bremer vor allem zum Double aus deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal im Jahr 2004, aber darüber hinaus auch fünfmal in die Champions League, zwei weitere Male zum Pokalsieg sowie 2009 ins Finale des UEFA-Cups geführt. Weil solche Erfolge in den letzten drei Jahren seiner Zeit bei Werder ausblieben, trennten sich der Verein und Schaaf vor dem letzten Spieltag der Saison 2012/13.

Seine beiden Assistenten Wolfgang Rolff und Matthias Hönerbach und auch seinen Torwarttrainer Michael Kraft wird Schaaf zwar nach Frankfurt mitbringen, aber ansonsten sind zunächst einmal weder die sportlichen Ansprüche noch die finanziellen Möglichkeiten mit seiner Bremer Zeit vergleichbar.

Die beiden Leistungsträger Pirmin Schwegler (1899 Hoffenheim) und Sebastian Rode (Bayern München) haben die Eintracht bereits verlassen, auch Nationalspieler Sebastian Jung steht Medienberichten zufolge dicht vor einem Wechsel zum VfL Wolfsburg. Dafür kennt Schaaf den bislang einzigen Frankfurter Neuzugang sehr gut: Den serbischen Nationalspieler und Rode-Ersatz Aleksandar Ignjovski holte er 2011 noch zu Werder.

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