Hannover (dpa) - Nach dem Gesetz der Serie steht Bayern München in der Fußball-Bundesliga vor einer schwierigen Saison. In Spielzeiten nach einer Weltmeisterschaft hat der deutsche Rekordmeister traditionell Probleme.

Nach den zwölf WM-Turnieren seit 1966 konnten die Münchner nur dreimal die deutsche Meisterschaft gewinnen. Unmittelbar nach einem deutschen WM-Sieg gewannen die Bayern sogar noch nie den Titel in der Bundesliga. Das war 1990/91 und 1974/75 so. 1954/55 gab es noch keine Bundesliga.

Von einer schwarzen Serie wollen die Münchner aber nichts wissen. "Ich finde, wir sollten uns auf diese Diskussion gar nicht erst einlassen", sagte FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Einen Vorgeschmack auf das, was den auch in diesem Jahr wieder extrem belasteten Münchnern bevorsteht, erlebte Trainer Pep Guardiola gerade erst beim Supercup bei Borussia Dortmund. Den gewann der BVB mit 2:0.

"Ich bin mir sicher, wir werden bis zur Winterpause ein bisschen Probleme haben", sagte der Katalane nach dem Match, in dem Javi Martinez zu allem Überfluss einen Kreuzbandriss erlitt - der nächste Patient auf der ohnehin langen Verletztenliste der Bayern.

Viele Verletzte und etliche Leistungsträger sind nach der kräftezehrenden WM noch nicht bei 100 Prozent - Guardiola hat allen Grund zur Sorge, auch wenn Rummenigge das Thema herunterspielte: "Wir kommen damit klar, unser Ziel ist es, den Titel zu verteidigen." Die Probleme der Bayern in den Spielzeiten nach WM-Turnieren, bei denen Deutschland bis zum Ende dabei blieb, haben aber fast schon Tradition. Das war 2010/11 und 2006/07 so. Damals belegte Deutschland Platz drei und bestritt damit das letzte Turnierwochenende. Die Meister hießen am Ende Dortmund und Stuttgart. Bayern wurde noch nicht einmal Zweiter, sondern nur Dritter bzw. Vierter.

Kein Wunder, dass die Konkurrenz in diesem Jahr die Chance wittert, die Bayern-Dominanz zu brechen. "Ich erhoffe mir, dass wir nicht jedes Jahr Bayern München gratulieren dürfen", sagte etwa Stuttgarts Trainer Armin Veh, der schon 2007 als VfB-Coach den Bayern den Titel wegschnappte. Bremens Robin Dutt sieht "die Chancen etwas größer".

Die Probleme der Bayern nach erfolgreichen deutschen WM-Turnieren sind auffällig und in diesem Sommer waren besonders viele Münchner in Brasilien bis zum Schluss dabei. Nur zweimal - 2003 und 1987 - holte der FCB nach deutschen WM-Endspielteilnahmen den Titel. Bei den Endrunden 1986 und 2002 waren die deutschen Aufgebote allerdings auch nicht so sehr von Bayern-Spielern dominiert. In beiden Jahren standen jeweils nur vier Münchner im DFB-Kader. Bei der WM am Zuckerhut waren es sieben. Hinzu kommen die Schlüsselspieler Dante (Brasilien), Javi Martinez (Spanien), Arjen Robben (Niederlande) und Xherdan Shaqiri (Schweiz) - Dante und Robben waren ebenfalls bis zum Ende dabei.

Auch Julian Green (USA) und Pepe Reina (Spanien) waren wochenlang im WM-Einsatz. Die Belastung für den FC Bayern war also in diesem Sommer besonders groß. Der Großteil des Kaders stand Guardiola in der Vorbereitung erst sehr spät zur Verfügung. Weltmeister Bastian Schweinsteiger, der den Saisonauftakt verletzt verpasste, kündigte eine Trotzreaktion an. "Gerade jetzt" wolle es Bayern allen zeigen.

Dabei ist die Bundesliga-Bilanz der Münchner nach WM-Titeln fast schon erschreckend. 1974 und 1990 gingen die Bayern ähnlich wie diesmal als dominierendes Bundesliga-Team in die Saison. Nach drei Titeln von 1972 bis 1974 mussten die Bayern ihre Vormachtstellung an Borussia Mönchengladbach abgeben. Die Fohlenelf holte drei Titel in Serie, danach triumphierte der 1. FC Köln und dann der Hamburger SV. In diesen fünf Spielzeiten wurden die Bayern am Stück weder Meister noch Zweiter.

Ähnlich sah es nach dem WM-Sieg 1990 aus. Die Meister von 1991 bis 1993 hießen Kaiserslautern, Stuttgart und Bremen. "Es wird aber immer schwerer, Überraschungscoups zu landen. Das hat sich gewandelt", mahnte VfB-Coach Veh. Zumindest statistisch ist die Chance in der kommenden Saison aber groß, den Branchenprimus entscheidend zu ärgern. Es muss ja für die Bayern nicht gleich so kommen wie 1974/75: Damals gab es am ersten Spieltag ein 0:6 gegen Kickers Offenbach, Trainer Udo Lattek musste während der Saison gehen. Der FCB wurde am Ende nur Zehnter.

Bayerns Bundesliga-Abschneiden nach WM-Turnieren seit 1966:

Bundesliga-Historie