Berlin (SID) - Im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sollen die Gelder auch nach der angekündigten Strukturreform der Spitzensportförderung nicht nur über Medaillen, sondern vor allem über die Potenziale der Sportarten verteilt werden. "Es geht nicht darum, ganz platt nach dem Belohnungs- und Bestrafungssystem zu agieren", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper bei der öffentlichen Sportausschuss-Sitzung zu dem Thema.

Für die mehr als dreistündige Diskussionsrunde am Montag hatte der Sportausschuss im Vorfeld einen Fragenkatalog an die geladenen Gäste, darunter Athletensprecher sowie Sachverständige aus der Wissenschaft und den Medien, verschickt. Der DOSB gab seine Antworten erst wenige Stunden vor Sitzungsbeginn ab, was bei den Politikern auf Kritik stieß. 

Zum internationalen Vergleich wurde auch Liz Nicholl, Geschäftsführerin des britischen UK Sports, geladen. Der britische Verband konzentriert sich bei seiner Förderung auf wenige, dafür aber medaillenträchtige Sportarten.

Eine reine Übernahme dieses Erfolgsmodells sei für den deutschen Sport nicht möglich und nicht angedacht, sagte Vesper. Ein von Christoph Niessen, dem Vorstandschef des Landessportbundes NRW, gefordertes Bund-Länder-Abkommen bei der Spitzensportförderung befürwortete Vesper dagegen.

Wolfgang Maier, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, verteidigte unterdessen seine frühere Aussage, der deutsche Spitzensport spare sich "zu Tode": "Wir fahren in manchen Sportarten zu Olympia, ohne international konkurrenzfähig zu sein." Maier forderte ebenso wie Niessen eine klare Zuordnung der Kompetenzen bei der Umsetzung der Zielvorgaben zwischen DOSB und BMI.

Nach dem mäßigen Abschneiden der deutschen Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann eine Strukturreform bei der Finanzierung des deutschen Spitzensports angekündigt.

Das Bundesinnenministerium stellt jährlich 138 Millionen Euro an öffentlichen Geldern für den Spitzensport bereit. Neben dem BMI investiert das Verteidigungsministerium etwa 30 Millionen Euro in etwa 800 Sportsoldaten und -soldatinnen. Die Sporthilfe unterstützt etwa 3800 Athleten aus 50 Sportarten mit insgesamt rund zwölf Millionen Euro.