Berlin (SID) - Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) in der Debatte über die Zukunft des Weltverbandes FIFA zu Geschlossenheit ermahnt. In einem Interview mit dem rbb-Inforadio setzte sich der CDU-Sportminister zur Durchsetzung von Reformen außerdem für die Einführung eines Stimmenproporzes bei der FIFA anstelle des derzeitigen "Jedem Verband eine Stimme"-Prinzip.

De Maizière sieht den Schlüssel für Veränderungen beim krisengeschüttelten Weltverband trotz des wirkungslosen Widerstands der UEFA gegen die Wiederwahl des umstrittenen FIFA-Bosses Joseph S. Blatter bei den Verbänden des Alten Kontinents: "Zunächst wäre mal wichtig, dass Europa sich einig ist. Das ist nicht der Fall gewesen", kritisierte der Minister den enttäuschenden Auftritt der Europäer in der Schweiz.

UEFA-Chef Michel Platini (Frankreich) hatte Blatter einen Tag vor der Wahl vergeblich zum Rücktritt aufgefordert. Bei der Abstimmung über Blatters fünfte Amtszeit hatten die 53 UEFA-Mitgliedsverbände nicht einmal geschlossen gegen den Amtsinhaber votiert: Mindestens Frankreich und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Russland verweigerten dem UEFA-Favoriten Prinz Ali bin Al Hussein ihre Stimme und machten ihr Kreuz für Blatter.

Damit starke Verbände wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als größter FIFA-Mitgliedsverband mit fast sieben Mitgliedern künftig ein entsprechendes Gewicht bei FIFA-Entscheidungen bekommen, fordert de Maizière Politiker eine Umverteilung der Stimmen für die Nationalverbände: "Es ist ein Problem", meinte der Politiker, "dass jedes Land eine Stimme hat, obwohl die fußballerische Bedeutung der Länder sehr unterschiedlich ist. Im DFB zum Beispiel ist das anders, da haben große Landesverbände mehr Stimmen als kleine. Wir haben es auch im Bundesrat so."

In diesem Zusammenhang ließ de Maizière fünf Tage nach den Enthüllungen der US-Justiz und den Verhaftungen von zwei FIFA-Vizepräsidenten und fünf weiteren hochrangigen Fußball-Funktionären vor dem FIFA-Kongress in Zürich keinen Zweifel an seiner Einschätzung der FIFA-Situation: "Je unbeweglicher ein Verband ist, umso schwieriger sind auch Reformen durchzuführen, die jetzt allerdings dringend nötig sind."