Budapest (dpa) - Eine ungarische Fernsehreporterin ist wegen eines tätlichen Angriffs auf Flüchtlinge an der ungarisch-serbischen Grenze von ihrem Sender entlassen worden. Das sagte Chefredakteur Szabolcs Kisberk, Chefredakteur des Privatsenders "N1 TV" der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Zuvor hatten im Internet veröffentlichte Videos von dem Angriff weit über Ungarn hinaus für Empörung gesorgt. Der Sender steht der rechtsextremen ungarischen Oppositionspartei Jobbik nahe. Nach Meinung des Budapester Büros der Menschenrechtsorganisation Helsinki-Komitee sei das Verhalten der Kamerafrau eine von Hass gegen eine Gemeinschaft motivierte Straftat, die mit bis zu siebeneinhalb Jahren Haft geahndet werden könne.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Kamerafrau einem Flüchtling ein Bein stellt, der mit einem Kind im Arm über ein Feld läuft - zusammen mit anderen Migranten. Anschließend ist zu sehen, wie der Mann samt Kind zu Boden fällt. "Ich bin (...) fassungslos, das geht über meinen Verstand. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass jemand so etwas machen kann", sagte der deutsche Reporter Stephan Richter der dpa. Richter hatte die Szene am Dienstag für RTL und n-tv gefilmt und anschließend per Twitter veröffentlicht.

"Die Flüchtlinge warteten gerade auf einem Feld auf einen Bus, der sie zu einem Lager bringen sollte, eingekreist von Polizisten", schilderte Richter die Szene. Weil die Menschen ungeduldig wurden, hätten sie in Panik die Polizeikette durchbrochen und seien losgelaufen. Im Tumult seien auch Familien auseinander gerissen worden. Richter sagte, er habe nicht gleich gesehen, dass dem Mann, der mit dem Kind hinfiel, vorher ein Bein gestellt worden war. "Ich habe den Moment einfach gefilmt und gepostet." Erst abends habe er entdeckt, was da wirklich passiert sei.

Ein weiterer im Internet veröffentlichter Ausschnitt zeigt, wie dieselbe Kamerafrau einer laufenden Flüchtlingskind gegen das Schienbein tritt. Wer diesen Szene gefilmt hat, war zunächst unklar.

Der Internet-Sender N1 TV steht der rechtsextremen Jobbik-Partei nahe und wird nach Senderangaben täglich von 10 000 bis 30 000 Menschen verfolgt. Chefredakteur Kisberk sagte, die Kamerafrau sei 20 Minuten nach Veröffentlichung der Bilder entlassen worden. Ihr Verhalten sei "inakzeptabel". Gewalt gegen Menschen dürfe nicht toleriert werden, "auch wenn es sich um Flüchtlinge handelt". Seiner Meinung nach gebe es "viele Wirtschaftsflüchtlinge" unter jenen, die jetzt nach Ungarn kommen, doch erkenne er an, dass auch viele vor den Kriegen in ihrer Heimat fliehen, sagte Kisberk weiter.

Die kleinen links-liberalen Oppositionsparteien DK (Demokratische Koalition) und PM (Dialog für Ungarn) kündigten Strafanzeigen gegen die Reporterin an.

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