London (SID) - Den kenianischen Leichtathleten droht das Aus für die Olympischen Spiele in Rio, sollte der Verband von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als nicht regelkonform eingestuft werden. "Ich weiß, dass die WADA sich die kenianische Anti-Doping-Agentur sehr genau anschaut", sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe am Mittwochabend beim britischen Bezahlsender BT Sport: "Eine geringe Anzahl von Ländern verursacht einen unverhältnismäßig großen Imageschaden. Wir müssen die Initiative ergreifen. Wenn das bedeutet, diese Länder von Olympia oder Weltmeisterschaften auszuschließen, ja, dann müssen wir das tun."

In der vergangenen Woche hatte die WADA wegen der weiterhin mangelhaften Bemühungen im Anti-Doping-Kampf die kenianische Anti-Doping-Agentur ADAK auf die Beobachtungsliste gesetzt. Innerhalb einer Frist muss das Land nun die Auflagen der WADA erfüllen, sonst droht die Suspendierung. Erst dann können die zuständigen Verbände und Organisationen Sanktionen verhängen.

"Mich beunruhigt der drohende Olympia-Ausschluss nicht, weil die ADAK ein Regelwerk ausarbeitet, das im Parlament als Gesetz verabschiedet werden soll", sagte Kenias Verbandspräsident Jackson Tuwei: "Ich bin zuversichtlich, dass wir Erfolg haben werden."

Bei der Leichtathletik-WM 2015 in Peking hatte Kenia erstmals an der Spitze des Medaillenspiegels gestanden. Allerdings steht das Land seit Monaten unter verstärkter Beobachtung. Mehr als ein Dutzend kenianische Athleten ist derzeit wegen Dopings gesperrt, drei führende Funktionäre des nationalen Leichtathletik-Verbandes AK wurden von der Ethikkommission des Weltverbandes IAAF vorläufig suspendiert. Ihnen wird vorgeworfen, den Anti-Doping-Kampf in ihrem Land behindert sowie Sponsorengelder veruntreut zu haben.

Erst am Dienstag hatte der Geschäftsführer des nationalen Leichtathletik-Verbandes seinen Posten nach Erpressungsvorwürfen ruhen lassen. Isaac Mwangi wird vorgeworfen, die beiden des Dopings überführten Läuferinnen Joyce Zakary und Francisca Koki Manunga aufgefordert zu haben, ihm umgerechnet je 21.000 Euro zu zahlen. Im Gegenzug sollten ihre Vier-Jahres-Sperren reduziert werden. Mwangi bestreitet die Vorwürfe.