Amsterdam (SID) - DAFNE SCHIPPERS (NIEDERLANDE/100 M): Der Star der EM im eigenen Land. Nicht weniger als der Titel über die 100 Meter wird von der 24 Jahre alten Vizeweltmeisterin aus Utrecht erwartet. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Zumal die Europarekordlerin und Weltmeisterin über die 200 Meter auf einen Doppelstart verzichtet. Die einzige Frage wird sein, ob Schippers dem riesigen Druck vor eigenem Publikum standhalten kann. 

JULIA STEPANOWA (RUSSLAND/800 M): Wohl keine Sportlerin ohne echte Medaillenchance wird bei der EM so viel Aufmerksamkeit erhalten wie die 30-jährige Russin. Erst kurz vor Beginn der Titelkämpfe räumte der Weltverband IAAF der berühmtesten Whistleblowerin der Leichtathletik-Geschichte das Startrecht ein. Allerdings wird Stepanowa, die Ende 2014 als Kronzeugin zusammen mit ihrem Mann Witali das Doping-System in ihrem Heimatland enthüllte, unter der Flagge des europäischen Verbandes EAA an den Start gehen. Aber ganz egal wie sie über die 800 Meter abschneidet: Schon alleine ihr Start ist ein wichtiges Zeichen.

JIMMY VICAUT (FRANKREICH/100 M): Der Europarekordler war in diesem Jahr sogar schneller als Jamaikas Sprint-Held Usain Bolt. Lediglich der umstrittene Justin Gatlin rannte am vergangenen Wochenende bei den US-Meisterschaften noch schneller als Vicaut. Für den 24-Jährigen wird es wohl schwieriger, sich den Europarekord alleine zu sichern, als sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Mit 9,86 Sekunden hält er gemeinsam mit dem Portugiesen Francis Obikwelu (2004) die kontinentale Bestleistung.

THOMAS RÖHLER(JENA/SPEERWURF): Der deutsche Meister katapultierte sich in dieser Saison in neue Sphären. Gleich zweimal knackte er Ende Juni in Turku die magische Grenze von 90 Metern, mit 91,28 m führt der 24-Jährige die Weltjahresbestenliste mit mehr als drei Metern Vorsprung an. Seit fast 20 Jahren hatte kein Deutscher mehr so weit geworfen. Und doch: Die EM ist nur eine Zwischenstation, alles auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ausgerichtet. Gegen EM-Gold wird sich Röhler allerdings sicher nicht wehren.

HOMIYU TESFAYE (FRANKFURT/1500 M): An große Meisterschaften hat der 23-Jährige bisher keine guten Erinnerungen. Zu einer internationalen Medaille reichte es für den gebürtigen Äthiopier noch nicht. Nach langer Verletzungspause meldete er sich allerdings zuletzt eindrucksvoll zurück. Mit 3:35,05 Minuten führt er die europäische Jahresbestenliste an. Sollte er in Amsterdam taktische Fehler wie zuletzt vermeiden, ist ein Platz auf dem Podest drin.

MAX HESS (CHEMNITZ/DREISPRUNG): Mit seinen Überraschungssätzen auf 17,14 Meter verblüffte Heß bei der Hallen-WM in Portland in diesem Jahr die Weltelite. Platz zwei gab es dort für den 19-Jährigen, letztmals weiter sprang ein Deutscher 1999. Auch in Amsterdam zählt Heß zu den Medaillenkandidaten, die Olympianorm hat er längst in der Tasche. In Amsterdam könnte sich Heß mit einer Medaille wohl das schönste vorzeitige Geburtstagsgeschenk selbst machen. Am 13. Juli wird er 20.

CHRISTOPH HARTING (BERLIN/DISKUS): Bei den deutschen Meisterschaften in Kassel musste Christoph Harting mal wieder eine Niederlage gegen seinen älteren Bruder Robert hinnehmen. In Amsterdam will der 25-Jährige nun die "Familientradition" fortsetzen. 2012 und 2014 triumphierte Robert, der in diesem Jahr wegen der Vorbereitung auf Rio fehlt. Mit seinen 68,06 Metern und Platz zwei der Weltjahresbestenliste gilt Christoph als einer der Medaillenfavoriten. 

JACKIE BAUMANN (TÜBINGEN/400-M-HÜRDEN):

Bei ihren ersten großen internationalen Meisterschaften hat Jackie Baumann vor allem in Ziel. "Ich laufe jedes Rennen wie ein Finale. Nur so habe ich eine Chance. Und dann sehen wir, was geht", sagte die 20-Jährige:" Ich freue mich bei den internationalen Meisterschaften wieder der Underdog zu sein und die anderen ärgern zu können." Denn national ist sie mittlerweile unangefochten die Nummer eins. Sowohl 2015 als auch 2016 holte Baumann den Titel. Baumann? Richtig. Olympiasieger Dieter Baumann ist ihr Vater. Für ihre Karriere, sagte sie einst, habe er allerdings nie eine Rolle gespielt. Viel lieber arbeitet sie an ihrer eigenen Erfolgsgeschichte.

GINA LÜCKENKEMPER (DORTMUND/200 M): Die 19-Jährige gilt als größte deutsche Sprinthoffnung. Bei den deutschen Meisterschaften holte sie Gold über 200 Meter, in Amsterdam steht sie auf Platz eins der Meldeliste. Erst im April bestand sie ihr Abitur, bei der EM folgt die nächste Reifeprüfung. Sie selbst gibt sich allerdings bescheiden. Ein Platz im Finale soll es werden.

GESA FELICITAS KRAUSE (FRANKFURT/3000-M-HINDERNIS): Wie schnell sich die Erwartungshaltungen ändern. Bei der WM im vergangenen Jahr holte die Hessin überraschend Bronze, in Amsterdam gilt sie als Topfavoritin, führt auch die europäische Bestenliste klar an. Sollte Krause gewinnen, bliebe der Titel nach dem Erfolg vor zwei Jahren von Antje Möldner-Schmidt in deutscher Hand.

SID kd ks jm