Köln (SID) - Die russische Doping-Whistleblowerin Julia Stepanowa hat beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Starterlaubnis für die Sommerspiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) beantragt. Dies bestätigte IOC-Präsident Thomas Bach der Tageszeitung die Welt.

"Wir haben am Mittwoch eine E-Mail von ihr bekommen, in der sie um die Startberechtigung nachsucht", sagte Bach. Das IOC werde die Anfrage nun "sorgfältig prüfen. Die erforderliche Qualifikationszeit hat sie nach ihren Angaben bei einem Rennen im vergangenen Jahr in Deutschland erreicht."

Mittelstreckenläuferin Stepanowa (30), die am Mittwoch in Amsterdam beim Comeback im EM-Vorlauf als "neutrale Athletin" über 800 m verletzt aufgeben musste, will in Brasilien an den Start gehen. Doch das IOC besteht darauf, dass sämtliche russische Athleten unter dem russischen NOK und damit der russischen Flagge antreten müssen. Aber Stepanowa gilt in ihrer Heimat als Verräterin.

"Es starten Mannschaften der Nationalen Olympischen Komitees. Innerhalb solcher Mannschaften gibt es keine unterschiedlichen Kategorien und Wertigkeiten von Athleten", so Bach: "Um allerdings kein Missverständnis aufkommen zu lassen, Julia Stepanowa hat erklärt, dass sie nicht als Mitglied der Mannschaft des Russischen Olympischen Komitees starten möchte."

Eventuell erledigt sich das Thema durch die Verletzung der Russin von selbst. "Ich muss erstmal mit meinem Arzt sprechen, bevor ich eine Prognose abgeben kann. Im Moment kann ich zu meiner Zukunft nichts sagen", erklärte Stepanowa nach ihrem EM-Aus im ZDF.

Stepanowa und ihr Mann hatten den Skandal um flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik mit ihren Aussagen in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" ins Rollen gebracht. Danach verließ das Ehepaar mit seinem Kind Russland aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen staatlicher Institutionen und setzte sich an einen geheimen Ort in die USA ab.