Amsterdam (SID) - Doping-Whistleblowerin Julia Stepanowa aus Russland hat sich bei ihrem Comeback auf der großen Leichtathletik-Bühne verletzt. Die 30-Jährige musste bei der EM in Amsterdam nach etwas mehr als 600 Metern ihren Lauf unterbrechen, überquerte allerdings noch humpelnd die Ziellinie. 

"Es war mein erster Wettkampf seit langem. Ich hatte überhaupt keine Gelegenheit, es auszuprobieren", sagte Stepanowa im ZDF: "Ich habe trainiert, obwohl ich verletzt war. Ich hatte eine Entzündung, mich aber trotzdem zur Teilnahme an der EM entschieden."

Ob aufgrund der Verletzung ein möglicher Start bei Olympia überhaupt infrage kommt, konnte die Russin noch nicht sagen: "Ich muss erstmal mit meinem Arzt sprechen, bevor ich eine Prognose abgeben kann. Im Moment kann ich zu meiner Zukunft nichts sagen."

Aber nicht nur wegen ihres Missgeschicks stand die Russin in den 800-m-Vorläufen am Mittwochabend im Mittelpunkt des Interesses. Der Weltverband IAAF hatte Stepanowa wegen ihrer Verdienste bei der Aufklärung des systematischen Dopingskandals in Russland erst in der vergangenen Woche das Startrecht als "neutrale Athletin" erteilt. Stepanowa lief unter der Flagge des europäischen Verbandes, der Rest des russischen Teams ist bis auf Weiteres international gesperrt.

Die deutsche Meisterin Christina Hering (München) qualifizierte sich als Vierte des Vorlaufs in 2:05,78 Minuten für das Finale (Samstag, 21.40 Uhr/ARD). Fabienne Kohlmann (Karlstadt) schied dagegen mit 2:05,54 im Vorlauf aus.

Stepanowa und ihr Mann hatten den Skandal um flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik mit ihren Aussagen in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" ins Rollen gebracht. Danach verließ das Ehepaar mit seinem Kind Russland aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen staatlicher Institutionen und setzte sich an einen geheimen Ort in die USA ab.

"Es ist ein wichtiges Zeichen des internationalen Sports, dass Julia Stepanowa für ihr Risiko, Missstände in ihrem Land aufgezeigt zu haben, nicht weiter abgestraft, sondern ihr Mut honoriert wird", hatte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), über den Start Stepanowas gesagt.