Amsterdam (SID) - Thomas Van Der Plaetsen konnte es nicht fassen. "Das hätte ich mir niemals erträumt", sagte der Zehnkämpfer aus Belgien, nachdem er sich bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam mit 8218 Punkten zu Europas neuem König der Athleten gekürt hatte. Dabei schien seine Karriere vor zwei Jahren bereits beendet.

Im Herbst 2014 hatte Van Der Plaetsen einen Brief von seinem Verband erhalten, er sei bei einer Dopingprobe positiv auf das Hormon HCG getestet worden. "Ich war schockiert", sagte der 25-Jährige - weil er wusste, dass er sauber war. 

Und so "habe ich recherchiert und erfahren, dass dies bei Männern ein Hinweis auf einen Tumor sein kann. Deshalb bin ich direkt zum Arzt gegangen", sagte Van Der Plaetsen. Die Diagnose war noch schlimmer als der positive Dopingtest: Hodenkrebs. Ganz ähnlich wie zuletzt beim Bundesliga-Fußballer Marco Russ von Eintracht Frankfurt.

Van Der Plaetsen ließ sich umgehend operieren, unterzog sich einer präventiven Chemotherapie - und kämpfte sich anschließend wieder zurück auf die Leichtathletik-Bühne. Viel schneller, als er erwartet hatte. "Gold habe ich zwar immer im Hinterkopf gehabt, doch mein Fokus lag eindeutig auf der Quali für Rio", sagte er. Und mit seinen 8218 Punkten hat Van Der Plaetsen jetzt auf den letzten Drücker sein Ticket für Olympia tatsächlich auch noch gebucht. Schöner kann ein Happy End kaum sein.