Rio de Janeiro (SID) - Jemima Sumgong mit dem historischen Gold für Kenia, mehrere Demonstranten auf der Strecke und die Hahner-Zwillinge trotz Riesen-Rückstand in Jubellaune: In einem turbulenten Marathon von Rio hat Sumgong als erste Kenianerin Olympia-Gold über die klassischen 42,195 km geholt. Lisa und Anna Hahner landeten abgeschlagen auf den Plätze 81 und 82, liefen aber Hand in Hand und fröhlich feiernd ins Ziel.

Die 31 Jahre alte London-Siegerin Sumgong triumphierte nach einer wahren Hitzeschlacht in exzellenten 2:24:04 Stunden. Sumgong hatte sich bei Temperaturen jenseits der 30 Grad kurz vor dem Ziel im Sambodrom von ihren Begleiterinnen Eunice Kirwa (Bahrain) und Mare Dibaba (Äthiopien) gelöst.

Die WM-Dritte Kirwa, eine gebürtige Kenianerin, holte Silber (2:24:13), Weltmeisterin Dibaba musste sich mit Bronze (2:24:30) begnügen. Beste Deutsche war Anja Scherl (Regensburg) als 44. in 2:37:23 Stunden.

Die Hahner-Zwillinge Lisa und Anna (Gengenbach) beendeten das Rennen mit mehr als 21 Minuten Rückstand auf die Siegerin, bisweilen wirkte es, als absolvierten sie einen Volkslauf - und nicht die olympische Entscheidung. "Anna ist schneller angegangen als ich, aber als sie auf Toilette gesprungen ist, habe ich aufgeschlossen. So ins Ziel zu laufen, war traumhaft", sagte Lisa Hahner in der ARD.

Im Ziel feierten die Hahners, die wegen ihrer gnadenlosen Strategie der Selbst- und Eigenvermarktung in der Kritik stehen, gemeinsam medienwirksam mit den estnischen Luik-Drillingen Lili, Leila und Liina, die noch später beziehungsweise gar nicht ins Ziel kamen. "Hier ging es aber nicht ums Business, in Rio zu laufen war vielmehr eine große Ehre", sagte Anna Hahner.

Die deutsche Serienmeisterin Sabrina Mockenhaupt übte nach dem Auftritt der Zwillinge öffentlich Kritik, warf ihnen vor, sich nicht authentisch zu präsentieren und für die Medien zu inszenieren. "Ich wünschte mir endlich mal die Ehrlichkeit, dass sie zugeben, dass es mal nicht so gelaufen ist", schrieb die 35-Jährige einem Eintrag bei Facebook, den sie allerdings nach kurzer Zeit wieder löschte: "Warum muss man mit aller Gewalt verkaufen wollen, dass man immer lacht und alles immer super ist? Ich bin traurig, dass Anja Scherl bei dieser Inszenierung völlig untergegangen ist."

Aufregung gab es in der Schlussphase des Rennens, als einen Kilometer vor dem Ziel unmittelbar vor der führenden Sumgong mindestens drei Personen mit Protestschildern auf die Strecke liefen, sofort aber aber von den Sicherheitskräften abgefangen werden konnten.

Erinnerungen an die Olympischen Spiele 2004 in Athen wurden wach, als der Brasilianer Vanderlei de Lima in Führung liegend von einem irischen Priester abgedrängt worden war und dadurch Gold verlor. Vanderlei de Lima, der letztlich Bronze holte, durfte bei der Eröffnungsfeier in Rio das Olympische Feuer entzünden. 

In einem brutalen Ausscheidungsrennen wurde die Spitzengruppe schnell kleiner, fünf Kilometer vor dem Ziel waren Sumgong, Kirwa und Dibaba alleine vorne. Als Erste konnte Weltmeisterin Dibaba nicht mehr folgen. Als Sumgong erneut das Tempo verschärfte, war es auch um Kirwa geschehen.