Berlin (SID) - Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel hat den Umgang mit einigen medizinischen Ausnahmegenehmigungen (TUE) im Spitzensport kritisiert. "Was mich gestört hat, ist, dass manche TUEs in den Listen der Hacker für vier Jahre ausgestellt wurden. Das sind ja junge Sportler, an deren Gesundheitszustand sich noch etwas ändern kann. Das ist schon ein gewisser Freifahrtschein", sagte Sörgel der Süddeutschen Zeitung.

Die russische Hackergruppe Fancy Bears hatte illegal die Datenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA angegriffen und anschließend Informationen daraus veröffentlicht. Bisher nannte die Gruppe die Namen von 66 Athleten, die aus medizinischen Gründen Mittel nehmen durften, die eigentlich auf der Dopingliste stehen.

Sörgel räumte ein, dass bei Athleten, die etwa an Aufmerksamkeitsdefizitstörungen leiden, der Hinweis auf eine jährliche Kontrolle angeführt sei. "Ob das immer gemacht wird, glaube ich kaum", meinte der Wissenschaftler: "Außerdem kann der Patient bei dieser Erkrankung leicht simulieren", meinte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg.

Sörgel sprach sich aber nicht für eine generelle Abschaffung von Sondergenehmigungen aus. "Für Kortisonpräparate muss der kurzfristige Einsatz, insbesondere wenn in das Gelenk gespritzt wird, erlaubt sein. Nicht allerdings eine über Wochen gehende intramuskuläre Verabreichung, wie manche der jetzt veröffentlichten TUEs zeigen."

Der Experte forderte für die Zukunft mehr Transparenz. Sportler müssten alle Mittel, die sie einnehmen, deklarieren - auch Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine. "Weil man dann wüsste, wie sich der Ge- und Missbrauch von Medikamenten gestaltet. Und wenn dann jemand erwischt wird, sollten wir über die härtesten denkbaren Strafen reden. Zum Beispiel vier Jahre für Ersttäter."