Mailand (dpa) - Italien trauert um den Literatur-Nobelpreisträger, Autor und Theatermacher Dario Fo. Er starb am Donnerstag im Alter von 90 Jahren in Mailand, wie Mario Pirovano, ein langjähriger Freund, Übersetzer und Darsteller von Fos Werken, der Deutschen Presse-Agentur in Rom bestätigte.

Der Theatermacher starb in einem Krankenhaus in der norditalienischen Stadt, wo er seinem Arzt zufolge mehrere Tage wegen Lungenproblemen in Behandlung war. Für Samstag ist in Mailand die Bestattung angesetzt. Die Stadt kündigte zudem einen Trauertag an.

Fo war bekannt für seinen Sprachwitz; und Politik war ein zentrales Thema in seinem Leben. Er provozierte und kritisierte, etwa Italiens Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi für seine Medienpolitik. Auch vor dem Vatikan oder der Mafia machte er nicht Halt. Er war rund 40 Mal wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht geladen, mehrmals wurde er von der Bühne abgeführt.

"Mit Dario Fo verliert Italien eine seiner großen Hauptfiguren des Theaters, der Kultur, des bürgerlichen Lebens unseres Landes", zitierten italienische Nachrichtenagenturen Ministerpräsident Matteo Renzi. Er sprach Fos Familie sein Beileid aus. "Seine Satire, seine Recherche, seine Arbeit auf der Bühne, seine vielseitige künstlerische Tätigkeit bleiben als Erbe eines großen Italieners in der Welt." Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte "einen großen Dramatiker und glänzenden Unterhalter".

Der italienische Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano schrieb auf Twitter: "Groß ist mein Schmerz nach dem Verlust von Dario Fo. Ein gewaltiger Intellektueller und großzügiger Freund." Der Komiker und Anführer der populistischen 5-Sterne-Protestpartei in Italien, Beppe Grillo, schrieb auf seinem Blog: "Du wirst immer bei uns sein, Dario." Fo war Unterstützer Grillos.

Der am 24. März 1926 in Norditalien geborene Fo war 1997 für sein außergewöhnliches Talent sowie seine politische und soziale Theaterarbeit mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt worden. Viele seiner Stücke schrieb Fo mit seiner Frau Franca Rame zusammen, er sprach deshalb stets von "unserem Nobelpreis". Rames Tod 2013 hatte Fo schwer getroffen.

Mehr als 30 Werke Fos wurden ins Deutsche übersetzt, darunter "Mistero Buffo" (1969), "Die offene Zweierbeziehung" (1983), "Sex? - Aber mit Vergnügen!" (1994) und "Der Teufel mit den Titten" (1997). Obwohl Fo zuletzt schlechter sehen und hören konnte, blieb er bis zum Ende seinen Künsten verbunden und aktiv: Vor drei Wochen brachte er noch ein illustriertes Essay über Charles Darwin heraus.

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