Doha (SID) - Das WM-Straßenrennen der Profis bietet am Sonntag für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auf einem sprinterfreundlichen Kurs die seltene Gelegenheit auf den Weltmeistertitel. In André Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb sind die besten deutschen Fahrer dabei. Erstmals seit 1966 und dem WM-Triumph des im Juni verstorbenen Rudi Altig könnte das begehrte Regenbogentrikot wieder einmal ein deutscher Profi erobern.

DER KURS

Über 257,5 Kilometer führt die Strecke durch das Emirat Katar. Um 9.30 Uhr (MESZ) erfolgt der Start, ab 12 Uhr übertragt Eurosport. Nach einer 150 km langen Passage durch die Wüste folgen in Doha auf einem Rundkurs über die Insel The Pearl sieben Runden a 15,2 km. Topographisch bietet das Terrain keine Schwierigkeiten und kommt den deutschen Top-Sprintern deshalb entgegen. Die limitierenden Faktoren werden der Wind und vor allem die Hitze sein. "Wenn man da einmal in den roten Bereich fährt, erholt man sich nicht mehr", sagt der nominelle deutsche Kapitän André Greipel.

DAS WETTER

Die Temperaturen von weit über 30 Grad haben den Sportlern während der WM-Woche bereits zur Genüge Probleme bereitet. Es gab deswegen Stürze, einzelne Athleten erlitten im Ziel einen Kollaps und mussten medizinisch betreut werden. Über eine Distanz von sechs Fahrstunden wird die Krafteinteilung entscheidenden Einfluss haben. Dazu könnte auf der Wüstenpassage der Wind das Feld regelrecht zerpflücken. "Es gibt viele Unbekannte, das Rennen ist unvorhersehbar", sagt Marcel Kittel, der für Deutschland die Jokerrolle einnimmt. 

DIE DEUTSCHEN

Greipel, Kittel und dazu noch John Degenkolb. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat drei potenzielle Siegfahrer in seinem Aufgebot. "Wir haben zweieinhalb oder drei Kapitäne", sagt Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin. Nominell hat Greipel die Führungsrolle, doch weil das Rennen kaum Prognosen zulässt, plant der BDR mit mehreren Optionen. Als reine Helfer im sechsköpfigen Aufgebot werden Martin sowie die jungen Nils Politt und Jasha Sütterlin fungieren. "Wir wollen Weltmeister werden, das Wir-Gefühl ist ganz stark da. Wir wollen das Maximum rausholen", sagt Degenkolb. 50 Jahre nach dem Triumph von Rudi Altig soll das Regenbogentrikot wieder ein Deutscher tragen.

DIE FAVORITEN

Es kommen zahlreiche Radprofis infrage, aber alles hängt von der Rennkonstellation ab. Die Belgier etwa mit Routinier Tom Boonen werden alles unternehmen, um auf der Windkante einige Sprinter schon auszuschalten. Die Norweger mit Edvald Boasson Hagen und Alexander Kristoff haben sicher Ähnliches vor. Zu beachten sind überdies die Briten mit Mark Cavendish, außerdem die Franzosen mit Arnaud Démare und Nacer Bouhanni, die Italiener mit Elia Viviani sowie die Australier mit Caleb Ewan. Dazu kommen das starke deutsche Team und der slowakische Titelverteidiger Peter Sagan. "Ich sehe Vorteile für uns, weil wir früher da waren als andere. Ich kann mir vorstellen, dass einige Akklimatisierungsprobleme haben", meint Degenkolb.

DIE TAKTIK

Die deutsche Mannschaft hat diesbzüglich einen Nachteil, weil sie nur über sechs und nicht über die Maximalanzahl von neun Fahrern verfügt. Das lag an der zu schlechten Platzierung im Jahresranking der Nationen. "Es wird wirklich eine Wundertüte, und mit sechs Mann können wir nicht sagen, wir können ein Rennen bestimmen", betont Greipel. Kittel findet: "Wir konzentrieren uns auf eine defensive Fahrweise, um so viele Fahrer wie möglich ins Finale zu bringen." Zu viel aufdecken will die BDR-Equipe aber nicht. "Die Taktik behalten wir mit Absicht für uns, denn das macht uns sonst angreifbar. Wir sind auf unsere Cleverness angewiesen", sagt Degenkolb.