Berlin (dpa) - Ein Jahr vor der Bundestagswahl hat CSU-Chef Horst Seehofer den Verzicht auf eines seiner Spitzenämter angedeutet. Das befeuert die Nachfolge-Debatte.

"Ich kann für die CSU nicht ewig den Libero machen. Einmal soll ich die absolute Mehrheit in München holen und dann die bayerischen Interessen in Berlin durchsetzen", sagte der 67-Jährige mit Blick auf seine Doppelfunktion als Parteichef und bayerischer Ministerpräsident der "Bild am Sonntag". Seehofer sagte weiter: "Wenn wir in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen wir uns personell verbreitern."

Eine Ämtertrennung habe es in seiner Partei bereits früher gegeben, betonte Seehofer. Damit sei die CSU "auch gut gefahren: Alfons Goppel war Ministerpräsident und Franz Josef Strauß als CSU-Chef in Bonn. Edmund Stoiber war Ministerpräsident und Theo Waigel als CSU-Chef in Bonn."

Die Ämtertrennung bei den Christsozialen sei notwendig, weil sich die politische Situation in Deutschland total verändert habe, sagte Seehofer. "Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag sieben Parteien haben. Damit wir da den anderen die Stirn bieten können, brauchen wir den CSU-Chef und weitere starke Kräfte in Berlin."

Schon in den vergangenen Wochen hatte Seehofer eine Koppelung des Amtes als Parteichef mit einem Ministerposten in Berlin ins Gespräch gebracht. Finanzminister Markus Söder (CSU), der als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge Seehofers gilt, schloss jedoch einen Wechsel nach Berlin aus. Zugleich warnte er davor, die Aufgaben als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident auf zwei Personen zu verteilen. "Edmund Stoiber und Horst Seehofer haben immer klargemacht, dass die CSU am stärksten ist, wenn beide Ämter in einer Hand sind", sagte Söder jüngst dem "Münchner Merkur".

Zur Frage, ob er Spitzenkandidat für die Bundestagswahl werden wolle, sagte Seehofer der "Bild am Sonntag": "Es ist schön, wenn die Menschen in Bayern der Meinung sind, dass das am besten der Seehofer machen kann. Das löst aber nicht mein Libero-Thema."