Stuttgart (dpa) - Mehr Erfolg im Ausland schafft mehr Beschäftigung im Inland - diese Formel gilt laut einer Studie in Summe für die deutschen Konzerne aus dem Dax. Und je stärker die Unternehmen schon internationalisiert sind, desto größer wird dieser Effekt.

Das besagt eine Analyse des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

"Das Auslandsengagement der Dax-Konzerne war in den vergangenen Jahren eine Erfolgsgeschichte - auch für den Standort Deutschland", sagte Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung. "Hierzulande wuchs die Beschäftigung in den vergangenen Jahren stärker als der Umsatz. Das war nur dank des boomenden Auslandsgeschäfts möglich." Das laste Fabriken aus und bringe den Zentralbereichen daheim wie Forschung und Entwicklung oder dem Marketing positive Impulse.

Der Studie zufolge stieg der Auslandsumsatz der 30 größten deutschen börsennotierten Firmen seit 2011 um 28 Prozent - jedoch legte die Zahl der außerhalb Deutschlands beschäftigten Mitarbeiter nur um 8 Prozent zu. Umgekehrt ist das Verhältnis mit Blick auf Deutschland: Dort stieg die Zahl der hierzulande Beschäftigten um 6 Prozent, der im Inland erwirtschaftete Umsatz aber gerade einmal um 5 Prozent.

Für die Faustformel "Geschäft in Übersee bringt Jobs daheim" spreche zudem, dass ausgerechnet die besonders stark internationalisierten Unternehmen das Beschäftigungsplus in Deutschland antrieben: Die 13 Dax-Konzerne, die mehr als 80 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaften, erhöhten ihre Gesamtbelegschaft seit 2011 um 16 Prozent - die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland stieg dabei immerhin um 13 Prozent. Bei den übrigen, weniger international geprägten Dax-Unternehmen stieg die weltweite Beschäftigung nur um 3 Prozent und die Mitarbeiterzahl daheim um 2 Prozent.

Mit 13 Dax-Unternehmen erwirtschaftet fast die Hälfte der deutschen Börsen-Bundesliga mindestens 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland - aber nur bei vieren liegt der Auslandsanteil bei der Beschäftigung bei 80 Prozent oder höher. Den höchsten Belegschafts-Auslandsanteil weisen Fresenius Medical Care und HeidelbergCement auf. Sie kommen fern der Heimat auf 95 beziehungsweise 91 Prozent ihrer Mitarbeiter.

Am anderen Ende liegt der Wohnungsverwalter Vonovia: Er hat alle seine Mitarbeiter im Inland. Bei der Commerzbank sind 76 Prozent Inlandsmitarbeiter, bei ProSiebenSat1 noch 70, bei BMW 69 Prozent.

Trotz der insgesamt positiven Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung der Unternehmen seit 2011 waren die Belegschaften nicht immer vor Stellenabbau gefeit: 8 der 30 Unternehmen reduzierten in diesem Zeitraum ihrer Mitarbeiterzahl weltweit, bei 10 Konzernen sank die Beschäftigung in Deutschland. Und bei der Deutschen Bank und der Commerzbank treffen Stellenkürzungen vor allem Jobs in Deutschland.

Die Diskussion, ob Investitionen im Ausland die Belegschaften daheim stützen, ist alt. Experten sehen den Trend, dass die Produktion sich eher verlagert. Das gelte aber nicht für hoch-qualifizierte Jobs wie in Entwicklungsabteilungen. Ein starker Umsatzzuwachs hängt dabei auch an der zunächst größeren Nachfrage auf ungesättigten Märkten. So kommen laut Weltbankdaten in China auf 1000 Einwohner noch keine 100 Autos, in westlichen Industriestaaten dagegen über 500. Und China ist schon heute weltgrößter Pkw-Markt.

"Immer wieder mussten und müssen die Mitarbeiter auch schmerzhafte Zugeständnisse machen, um die Arbeitsplätze am Standort Deutschland zu sichern und zukunftsfähig zu machen", sagt Meyer. Unter dem Strich stehe aber fest: Deutschland sei ein klarer Globalisierungs-Gewinner und dürfe sich darauf nicht ausruhen.

Kritiker wie das Netzwerk Attac warnen jedoch vor Folgen zulasten der Schwachen: Die Globalisierung orientiere sich einseitig an Konzernen und deren Interessen. Globalisierung von Menschenrechten und von sozialen, ökologischen und demokratischen Standards stehe bei der Eroberung des Auslandes meist nicht auf der Agenda.

Studien EY

Attac zur Globalisierung