Austin (SID) - Was steht an?

Beim Großen Preis der USA (Sonntag, 21 Uhr MESZ/RTL und Sky) erwartet die Fahrer ein Highlight im Formel-1-Kalender. Begeisterungsfähige Motorsportfans und unzählige qualmende Barbecues rund um den Kurs bilden den stimmungsvollen Rahmen für eine Hetzjagd auf der 5,516 km langen "Achterbahn" von Austin/Texas. Besonders die Anfahrt auf die erste Kurve hat es in sich: Die Piloten rasen in höchstem Tempo auf eine 41 Meter hohe "Wand" zu. "Man sieht nur diesen riesigen Hügel vor sich. Beim Anbremsen kann man den Scheitelpunkt gar nicht sehen", sagt Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, der im Vorjahr in eben dieser Kurve seinen Teamrivalen Nico Rosberg nach dem Start weit nach außen drängte - und durch den Sieg seinen dritten WM-Titel vorzeitig perfekt machte.

Wie stehen in diesem Jahr die Vorzeichen?

Nun ja, der Weltmeister 2016 wird definitiv nicht in Austin gekürt. Überhaupt ist Hamilton in diesem Jahr der Jäger und nicht der Gejagte. Nach fünf Rennen in Folge ohne Sieg beträgt sein Rückstand auf Rosberg 33 Punkte. Damit kann der Brite seinen vierten WM-Titel nach jetzigem Stand nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen, weil Rosberg auch mit vier zweiten Plätzen seine erste Meisterschaft einfahren würde. Der Wiesbadener wiederum hätte bei entsprechender Schützenhilfe in Austin - etwa durch einen eigenen Sieg und maximal Rang drei für Hamilton - bereits beim übernächsten Rennen am 30. Oktober in Mexiko-City seinen ersten WM-Matchball.

Was spricht für Rosberg, was für Hamilton?

Rosberg ist nach neun Saisonsiegen - einer Ausbeute, die bislang immer zum Titel gereicht hat - selbstbewusst wie nie und hat laut seinem Boss Niki Lauda in diesem Jahr auch endlich "den Biss". Hamilton dagegen bleibt nach chronischen Startproblemen und einigem Technik-Pech beinahe nur noch das Prinzip Hoffnung. Immerhin scheint Austin, wo der 49-malige Grand-Prix-Sieger drei der bisherigen vier Rennen gewann, dafür ein gutes Pflaster zu sein. Zudem fühlt sich der schillernde Hamilton im Land der unbegrenzten Möglichkeiten pudelwohl. Die USA seien wie "eine zweite Heimat", ließ der Popstar der Formel 1 wissen.

Wer kann den Silberpfeilen dazwischenfunken?

Eigentlich nur Red Bull. Wobei die Strecke mit zwei sehr langen Geraden und nur wenigen langsamen Kurven den "Aerodynamikern" aus Österreich nicht unbedingt entgegenkommt. Tatsächlich hat auf dem Papier die ebenso stolze wie angeschlagene Scuderia Ferrari gute Karten, zumindest für dieses eine Rennen zur zweiten Kraft zu avancieren.

Wird deswegen alles gut bei den Roten?

Nein. Die Stimmung rund um das Team ist mies, italienische Zeitungen schrieben nach mittlerweile 23 Rennen ohne Sieg von "Ferrari in Angst". Auch im Inneren der Ferrari-Familie brodelt es. So sorgte der einstige Erfolgsingenieur Luca Baldisserri mit seiner Aussage für Aufsehen, in Maranello herrsche ein "Terrorklima", das jeden Fortschritt hemme. Auf der Strecke wurde der Gegenbeweis bislang nicht angetreten: Die Boliden sind meist zu langsam oder zu anfällig für die Spitze. Und wenn doch mal was gehen könnte, werden in schöner Regelmäßigkeit in den Cockpits (Vettel in Malaysia) oder in der Box (Australien, Spanien, Japan) folgenschwere Fehler begangen.

Worum geht es sonst noch in Austin?

Um Arbeitsplätze für die neue Saison. Durch den kürzlich bekannt gegebenen Wechsel des Emmerichers Nico Hülkenberg von Force India zu Renault kommt zumindest in der zweiten Reihe Bewegung ins Fahrerkarussell. Als Favorit auf Hülkenbergs Nachfolge beim Mercedes-Kundenteam gilt Rookie Pascal Wehrlein, dessen Vertrag bei Manor ausläuft. Zudem soll der Wechsel seines bisherigen Teamkollegen Esteban Ocon (Frankreich) zu Renault bevorstehen. Formel-3-Champion Lance Stroll (Kanada) wird nach Auskunft seines millionenschweren Vaters 2017 wohl für Williams fahren, wo man noch auf die Entscheidung des Finnen Valtteri Bottas über seine Zukunft wartet. Und so weiter, und so weiter. In Austin ist also bereits vor dem Rennstart reichlich Bewegung drin.