Berlin (SID) - Die Reform des deutschen Spitzensports sorgt weiter für Diskussionen. Bei der öffentlichen Experten-Anhörung im Sportausschuss des deutschen Bundestags am Mittwoch in Berlin gab es für die geplante Neustrukturierung Kritik. Vor allem die starke Fixierung auf Medaillen sowie das neue "PotAS"-Berechnungsmodell sorgten für Widerspruch.

"Die Reform ist einäugig auf Medaillen ausgerichtet. Das finde ich sehr betrüblich. Diese Art von Sport hat in der Bevölkerung wenig Rückhalt. Das sieht man auch an den abgelehnten Olympiabewerbungen", sagte der Sportphilosoph Gunter Gebauer von der Freien Universität Berlin: "Deutschland sollte nicht nur nach Medaillen streben. Wenn man nur auf Medaillen schaut, landet man in einer unangenehmen Nachbarschaft."

Ähnlich äußerte sich auch Frank Hensel, Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Es ist unbestritten, dass Erfolge im Spitzensport gewollt sind, zuallererst von den Athleten. Die Frage ist aber: Was definieren wir als Erfolg?", sagte Hensel: "Alleine mehr Medaillen sind aus unserer Sicht nicht ausreichend."

Ebenfalls viel Kritik gab es an dem neu geplanten "PotAS"-Modell, das aufgrund bestimmter Attribute durch mathematische Berechnungen Potenziale von Disziplinen und Sportlern vorhersagen soll. "Ich sehe da mathematische Probleme. Beste Variable für zukünftigen Erfolg ist aktueller Erfolg", sagte Sport-Ökonom Wolfgang Maennig, selbst 1988 Ruder-Olympiasieger. "Ich tue mich mit PotAS sehr schwer. Ich kann kann mir nicht vorstellen, wie dort die Zukunft und das Potenzial von Athleten berechnet werden soll", sagte Franziska Weber, Kanu-Olympiasiegerin von London.

Am Dienstag hatte der organisierte Sport bei einem Treffen zwischen DOSB, den Spitzensportverbänden und den Landessportbünden offene Fragen geklärt. Allerdings gibt es offenbar noch Dutzende Verbesserungs- beziehungsweise Änderungswünsche. 

Am 26. Oktober soll es eine Beratungsrunde mit Innenminister Thomas de Maizière geben. Die Reform soll am 3. Dezember auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Magdeburg verabschiedet werden. Anschließend solle sie dem Kabinett vorgelegt werden.