Paris (dpa) - Der frühere Premierminister François Fillon ist nach dem Ausscheiden von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy Favorit der französischen Konservativen für den Präsidentenposten.

Am kommenden Sonntag trifft der 62-jährige Fillon in der entscheidenden Abstimmung über die Präsidentschaftskandidatur des bürgerlichen Lagers auf Konkurrent Alain Juppé (71). Fillon liegt nach seinem unerwartet souveränem Sieg im ersten Wahlgang einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge auch für die Stichwahl in Führung.

Die französischen Konservativen küren ihren Bewerber erstmals mit einer offenen Vorwahl, an der alle Anhänger teilnehmen können. Ex-Präsident Sarkozy war im ersten Wahlgang am Sonntag mit gut 20 Prozent der Stimmen überraschend deutlich ausgeschieden und muss seinen Traum einer Rückkehr in den Élyséepalast begraben. "Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen", sagte er.

Fillon entschied die erste Runde mit gut 44 Prozent der Stimmen eindeutig für sich. Der Zweitplatzierte frühere Regierungschef Juppé lag nach Auszählung der meisten Wahllokale bei etwas über 28 Prozent.

Für die Stichwahl zeichnet sich derzeit ebenfalls ein Vorteil für Fillon ab. Meinungsforscher des Instituts OpinionWay befragten mehr als 3000 Menschen, die an der Wahl teilgenommen hatten. 18 Prozent von ihnen benannten keinen Favoriten für die zweite Runde - bei den übrigen kam Fillon auf 56 Prozent, Juppé nur auf 44 Prozent. Umfragen für die Vorwahl sind laut Experten mit großer Unsicherheit behaftet.

Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr ausgerechnet. Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National (FN) und dem konservativen Bewerber erwarten. FN-Vertreter warfen Fillon bereits die Bilanz seiner Zeit als Premierminister unter Präsident Sarkozy (2007-2012) vor. Ob der schwer angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande noch einmal antritt, ist noch unklar.

Über Monate hinweg hatten Umfragen ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhergesagt. Erst in den Wochen vor der Wahl hatte Fillon zu einer überraschenden Aufholjagd angesetzt. "Er hat sie (Juppé und Sarkozy) sich zerfleischen lassen und ist erst am Ende sichtbar geworden", sagte die Frankreich-Expertin Claire Demesmey von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Fillons Stärke sei, dass er für Ehrlichkeit und für schlichtes Auftreten stehe.

Der 62-jährige will Frankreich harte Wirtschaftsreformen verordnen. Während Fillon eher eine konservative Kernklientel anspricht, zielt Juppé (71) mit seiner gemäßigteren Linie auch auf Wähler aus der Mitte. "Ich werde den Kampf fortsetzen", sagte er nach dem Wahl-Dämpfer vor seinen Anhängern. Sarkozy versprach, den Sieger der Stichwahl zu unterstützen. Er selbst werde für Fillon stimmen, kündigte der Ex-Präsident an.

Insgesamt beteiligten sich mehr als vier Millionen Wähler an der Abstimmung. Die Ergebnisse waren auch am Montagnachmittag noch nicht endgültig, gegen 13.30 Uhr fehlten noch Zahlen zu gut fünf Prozent der mehr als 10 000 Wahllokale. Abstimmen konnte jeder Franzose, der im Wählerregister steht, zwei Euro Kostenbeteiligung zahlte und sich per Unterschrift zu den Werten der bürgerlichen Rechten bekannte.

Zwischenergebnisse, Frz.

Bericht LCI über Beteiligung, Frz.

Solère vor der Wahl bei "Le Monde" zu Beteiligung und Bekanntgabe der Ergebnisse, Frz.

Übersicht der Kandidaten, Frz.

Regeln der Vorwahl, Frz.

Ipsos-Umfrage für "Le Monde", Frz.

Meinungsforscher von Cevipof zur möglichen Teilnahme linker Wähler an den konservativen Vorwahlen, Frz.

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