Hamburg (SID) - Was ist passiert?

Dagur Sigurdsson hört als Handball-Bundestrainer auf. Der Isländer wird die Europameister nur noch bei der anstehenden WM in Frankreich (11. bis 29. Januar 2017) betreuen und danach wohl nach Japan wechseln - dem Olympiagastgeber von 2020. Sigurdsson nutzte eine Option, um aus seinem eigentlich bis 2020 datierten Vertrag herauszukommen. Damit verlässt der Vater der jüngsten Erfolge - EM-Gold 2016 und Olympia-Bronze in Rio - den DHB.

Warum geht Sigurdsson?

Der 43 Jahre alte Familienvater sucht offenbar aus persönlichen Gründen eine neue Herausforderung, als japanischer Nationaltrainer könnte er mit seiner Frau und den drei Kindern wohl wieder auf Island leben. Zudem gilt Sigurdsson seit seiner Zeit als Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima (2000 bis 2003) als großer Japan-Fan. Auch die Bezahlung dürfte besser sein als in Deutschland, im Gespräch ist ein mit fünf Millionen Euro datierter Kontrakt bis 2024.

Was bedeutet der Abgang für den deutschen Handball?

Die Sigurdsson-Entscheidung trifft den DHB hart, aber längst nicht unvorbereitet. "Dagur hat das Denken im deutschen Handball nachhaltig geändert ? das wird über seine Zeit hinaus wirken", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Der Weg der Erneuerung soll mit aller Konsequenz fortgesetzt werden, auch das Ziel Olympiasieg 2020 bleibt bestehen. Hanning steht jetzt unter Zugzwang, einen geeigneten Nachfolger zu präsentieren.

Wer sind die Nachfolge-Kandidaten?

Top-Kandidaten sind nach SID-Informationen Christian Prokop (SC DHfK Leipzig) und Markus Baur (TVB Stuttgart). Insbesondere mit Prokop hat der DHB bereits Gespräche geführt. Allerdings sind beide noch länger an ihre Klubs gebunden: Bauer bis 2018, Prokop sogar bis 2021. Spätestens im Sommer 2017 will Hanning einen Nachfolger präsentieren, nach der WM könnte es zunächst eine Interimslösung geben.

Was spricht für Prokop?

Der erst 37-Jährige gilt als Shooting-Star der Szene, in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit wurde der ehemalige Rückraumspieler als "Trainer der Saison" ausgezeichnet. Seit 2013 betreut Prokop Leipzig, schaffte 2015 den Aufstieg in die Bundesliga und sorgt dort mit seinem Team seitdem für Furore. Im SID-Interview beschrieb sich Prokop zuletzt als "modernen Trainer", der viel Wert auf taktische Schwerpunkte legt. Zudem möchte er, "dass ein schneller Handball gespielt wird, der die Fans mitnimmt".

Was spricht für Baur?

Ganz klar seine Nähe zum DHB. Der 45-Jährige war Spielmacher beim "Wintermärchen 2007", als er die Nationalmannschaft im eigenen Land zum WM-Titel führte. Von 2012 bis 2016 betreute er zudem die U20 des DHB, Baur kennt sich im Nachwuchs also bestens aus. Und "seine" Talente könnten 2020 bei den Olympischen Spielen ja einen Großteil der Mannschaft stellen. Allerdings betonen sowohl Hanning als auch Baur, dass sie noch keine Gespräche über die Sigurdsson-Nachfolge geführt haben.